Ahoi ShopBots – willkommen beim Shopping der Zukunft

Es gibt fast keinen Menschen, der sich nicht in Shoppinglaune versetzen lässt – sei dies bei Klamotten, Taschen oder Schuhen, bei exklusiven italienischen Karossen oder beim täglichen Einkauf im Lieblingssupermarkt. Egal, in welchem Teilbereich des Shoppings, der Konsument möchte in jedem Fall eine tolle Erfahrung machen und sich etwas Gutes tun. Parallel will er sich dabei Zeit ersparen, weil Shoppen ziemlich zeitaufwendig und nervenaufreibend sein kann – z. B. was die Öffnungszeiten angeht, die Angebotsvergleiche oder die Parkplatzsuche in den Innenstädten. Und genau hier setzt das Shopping der Zukunft an.

Wie ein Besuch auf der Mailänder Expo 2015 zeigt, ist die Ära der Massensupermärkte vorbei: Das Supermarktangebot müsse sich vielmehr an den individuellen Bedürfnissen der Kunden, aber auch an deren Haushaltsbudget orientieren. Dazu gehört laut Marco Pedroni, dem Verantwortlichen für die Supermarktkette COOP in Italien, auch eine erhöhte Informationsdichte, wonach die Konsumentinnen und Konsumenten im Supermarkt nicht nur die Inhaltsstoffe der einzelnen Produkte von Robotern erfahren, sondern auch deren Herkunft oder kulinarische Anwendungsmöglichkeiten, um so rascher zu ihrem gewünschten Produkt zu gelangen.

Amazon lässt die eigenen Konsumenten ausliefern

Shopping-Roboter sollen künftig nicht nur Personal einsparen und dadurch die Kosten von Shopbetreibern senken, sondern auch zum Shopping-Assistenten der Nutzer avancieren. Dabei kommen all die Sprachassistenten wie Alexa von Amazon, Siri von Apple oder Google Home des Konzerns Alphabet zum Einsatz und versprechen ein zeitsparendes und effizientes Shopping, das sich auf die Bedürfnisse des Nutzers fokussiert.

Übersetzt bedeutet das, Sie können diesem Assistenten, der etwas an einen einsamen Lautsprecher quer in der Wohnlandschaft erinnert, sagen, was Sie gerade brauchen, indem Sie einen vollumfänglichen Such-, Vergleichs- und Shopping-Auftrag erteilen. Und prompt wird Ihr Auftrag zu einer Bestellung, die – folgt man dem Amazon-Prime-Now-Angebot – sogar innerhalb einer Stunde ausgeliefert wird. Natürlich vorerst nur in Ballungszentren wie Berlin, London oder Paris. Aber immerhin.

Doch Amazon wäre nicht Amazon, würde es dabei nicht noch einen Schritt weiterdenken und «Selbständige» à la Uber aus Ihrer eigenen Konsumentengruppe mobilisieren, indem es Privatpersonen anspricht und motiviert, als selbständige Lieferanten die Bestellungen, die bei Amazon eingehen, in kürzester Zeit auszuliefern.

Laut dem Slogan «Be your own Boss» klingt das durchaus verlockend, zumal die versprochenen Stundensätze von $18 bis $25 weitaus über dem amerikanischen Mindestlohn liegen. Allerdings ohne die Unfall- und Sozialversicherungskosten gerechnet. Kritiker sehen in Amazon Flex ähnliche Gefahren wie bei Uber, was die arbeitsrechtlichen und sozialversicherungstechnischen Fragen angeht: Denn hierzulande ist derjenige selbständig, der nicht von einem einzigen Auftraggeber abhängig ist, was bei diesem Logistikmodell von Amazon schwierig werden könnte. Denn es ist zu bezweifeln, dass die privaten Auslieferer auch noch für andere Unternehmen ausliefern können, zumal der Logistikmarkt ohnehin schon stark umkämpft ist und Amazon nicht wenige Auslieferungen zu vergeben hat.

Shopping-Roboter, die für einen einkaufen und Reisen buchen

Kehren wir wieder zurück zu den ShopBots, den Shopping-Robotern. Ganz abwegig ist der Gedanke eines vereinfachten Shoppings nicht: Wenn ich dabei an die unzähligen Stunden im Supermarkt, den Warteschlangen vor den Kassen oder auch dem unsäglichen Anprobieren von Kleidungsstücken in den stickig-heissen Umkleidekabinen von Bekleidungsgeschäften denke, dann will ich mir all das nicht mehr antun. Ein ShopBot könnte also durchaus eine grosse Hilfe sein, weil er meine Bedürfnisse kennt, sodass ich mich nicht in einem schlecht durchlüfteten Kaufhaus unnötig exponieren muss. Ausserdem könnte ich meinem ShopBot mitteilen, welche Farben, Stoffe und Marken ich bevorzuge, sodass er das Netz genau nach diesen Vorstellungen und Vorgaben für mich durchforsten und mir dann entsprechende Empfehlungen abgeben kann, damit ich mich schneller und besser entscheiden kann.

Schöne neue Welt?

Mitnichten. Das Shopping von Kleidern entwickelt sich bereits in diese Richtung. Allerdings sind die Assistenten noch menschlicher Natur, wie das bei PKZ, Outfittery oder Zalon der Fall ist. Der nächste Schritt zum Roboter ist nicht weit, vor allem dann, wenn er einem in verschiedenen Bereichen behilflich sein kann, z. B. auch beim Buchen einer Reise: Wie viele Stunden haben Sie schon damit verbracht, wochenendweise sämtliche Buchungsplattformen im Netz abzugrasen, ehe Sie Ihren nächsten Urlaub gebucht haben? Ein ShopBot könnte das in Nullkommanichts für Sie erledigen und Ihnen sogar das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis raussuchen als Sie selbst, während Sie übers Wochenende den Grill anschmeissen, den Raclette-Ofen zum Glühen bringen oder den nächsten 3’000er besteigen.

Wie düster ist die Zukunft für die Innenstädte und Shoppingzentren?

Das Shoppingvolk zog einst von den Innenstädten in die peripheren Shoppingzentren und machte es dem stationären Einzelhandel in den teuren Geschäftslokalen der Innenstädte immer schwerer zu bestehen. Nun ereilt die Schweizer Shoppingzentren dasselbe Schicksal. Sie generieren immer weniger Umsätze, während die Onlineshops zunehmend florieren: Seit 2010 beziffert sich die Einbusse auf 500 Millionen Franken, wie die Handelszeitung berichtet.

Auch das Shoppingverhalten der Konsumentinnen und Konsumenten gleicht sich zunehmend ihrem Surfverhalten an: Wie der Media Use Index der Y&R Group Switzerland von 2016 zeigt, nutzen 96 % der bis 29-Jährigen das Internet über ihr Smartphone. Bei den 30- bis 54-Jährigen sind es 88 %. Die sogenannten Silver Surfer, die 55- bis 69-Jährigen, haben gegenüber 2015 um 22,7 % zugelegt, wenn es um das Surfen via Smartphone geht. Sie erreichen somit 70 %. Die Tabletnutzung hinkt zwar etwas hinterher, gewinnt aber jährlich an Wachstumsraten zwischen 5 % und 15 % – und das in jeder Altersgruppe. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass das Onlineshopping ebenfalls einen Shift vom Desktopcomputer auf ein mobiles Endgerät vollziehen wird bzw. bereits daran ist.

Angesichts dieser Ausgangslage scheinen die grossen Onlinehändler langfristig zu gewinnen. Doch haben auch der stationäre Handel in den Innenstädten oder die Shoppingzentren Chancen, indem sie nämlich auf die Mobilität der Gesellschaft setzen, was allerdings voraussetzt, selbst mobiletaugliche Onlineshops aufzubauen und ein Kundenbindungsprogramm mit SMS-Marketing oder NFC-Technologie zu kreieren, um Laufkundschaft in der Nähe mit aktuellen Angeboten anzulocken. Denn nach wie vor bewegen sich sehr viele Menschen in den Innenstädten, besonders während der Arbeitszeit oder abends und an Wochenenden in den Gastrolokalen. Zudem darf nicht vergessen werden, dass Menschen mit allen Sinnen einkaufen – das ist der grosse Vorteil der physischen Geschäfte gegenüber dem Onlinehandel.

Eine weitere Chance besteht in Plattformen wie siroop.ch oder farmy.ch, auf denen lokale Einzelhändler oder Bauern mit ihren Produkten ebenfalls prominent werben und diese sogar über ihren Verkaufsrayon hinaus vertreiben können, ohne dass sie dafür eine eigene digitale Infrastruktur benötigen. So kann der lokale Handel ebenfalls vom digitalen Wandel profitieren und den Innenstädten erhalten bleiben

 

Predrag Jurisic ist Publizist sowie Medien- und Werbeberater. Er betreibt eine eigene Beratungsfirma für KMU und NGO in der Ostschweiz. Vor seiner Tätigkeit im Bereich Marketing, Werbung, PR und Journalismus absolvierte er an den Kommunikationsfachschulen SAWI, HWZ und ZHAW verschiedene Studiengänge. Seither interessiert er sich für Zukunftsthemen wie Digitalisierung, künftiges Arbeiten oder das Lernen der Zukunft.

Medien- und Werbeberatung für KMU und NGO

 

Quellen und Leseempfehlungen