Ein junger Unternehmer mit einer Vision

Auf den ersten Blick würde man ihm seine Geschichte wohl kaum glauben. Selim Mujotaj absolvierte wie die meisten seiner Mitstreiter eine Berufsausbildung und studiert aktuell an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Was ihn von anderen unterscheidet: Er ist bereits im Alter von 22 Jahren Firmeninhaber.

Eines Tages kam seine Freundin auf ihn zu und teilte ihm mit, dass sie neue Bremsen für ihr Fahrzeug brauche. Mujotaj nahm sich der Sache an und recherchierte im Internet nach einer schnellen Lösung. Dabei fiel ihm auf, wie intransparent die digitale Vermarktung solcher Services seitens der Garagen noch immer abläuft. In der Folge stellte sich Mujotaj immer wieder die Frage, ob eine entsprechende Applikation, die verschiedenste Services rund um das Auto bei lokalen Garagen anbietet, eine Marktlücke darstellen könnte.

Die Sache ging dem 22-jährigen nicht mehr aus dem Kopf. Mujotaj besprach seine Idee im Folgenden mehrmals mit seinem guten Freund und Mitstudenten Dennis Nürnberger. Dieser unterstützte die Idee einer digitalen Transformationslösung von Beginn weg. Gemeinsam erstellten die beiden einen damals noch rudimentären Businessplan und führten eine Marktforschungsanalyse mit 200 Leuten durch. Mit der Umfrage wollten sie herausfinden, ob der Markt bereits nach solchen Lösungen sucht. 96% der Teilnehmer attestierten der Idee dabei Potenzial. Überwältigt von diesem Zuspruch begannen die beiden, die Ideen im Businessplan zu konkretisieren. Im Oktober 2016 erfolgte dann die Gründung der Intactcar GmbH. Das Gesellschaftskapital von CHF 20’000 brachte Mujotaj aus seinen eigenen Ersparnissen auf. Ab November 2016 begann er mit einer Partnerfirma die Entwicklung der Webseite voranzutreiben. Parallel baute der Jungunternehmer das nötige Partnernetzwerk für seine Website auf, sodass er bereits im Februar 2017 eine Beta-Version von Intactcar.ch vorweisen konnte.

Selim Mujotaj entschied sich, seine Lösung zuerst von einer Testgruppe untersuchen zu lassen. Beim Pilot-Projekt stellte sich dann tatsächlich heraus, dass für eine definitive Lancierung noch einige Überarbeitungen nötig waren. Er wollte sich – auch wegen des finanziellen Risikos, das er auf sich genommen hat, sicher sein, dass er auf dem richtigen Pfad ist. Trotz der bereits bestehenden Doppelbelastung mit dem weiterlaufenden Studium und der tagtäglichen Arbeit am Startup-Projekt entschied sich der 22-jährige für den die Teilnahme am KTI-Kurs “Business Creation” mit der Beta2-Version von Intactcar.ch. Während diesem Kurs, konnte er erneut Referenzen und Optimierungsvorschläge für die Umsetzung seiner Idee sammeln und einzelne davon auch implementieren. So entstand das Endprodukt von Intactcar.ch, wie es am 31. Mai 2017 veröffentlicht wurde.

Interview mit Selim Mujotaj

KMU-Ratgeber: Selim Mujotaj, Sie sind noch keine 25 Jahre alt, dazu mitten im Studium und dennoch bereits Unternehmer. Sind Sie ein bisschen verrückt?

  • Selim Mujotaj: Verrückt hoffe ich nicht zu sein, aber Sie können mich gerne risikofreudig nennen. Seit ich klein war, wollte ich meine eigenen Ideen realisieren und träumte davon, diesen Schritt einst zu wagen, wenn eine Idee reif dafür ist. Spannend ist, dass ich vieles, was ich im Studium lerne, nun auch für mein Startup relevant ist. So kann ich sagen, dass es toll ist, Student und Unternehmer zugleich zu sein.

Es dauerte einige Zeit, bis Ihr Projekt Marktreife erlangt hat. Gibt es Dinge im Gründungsprozess, die Sie unterschätzt haben?

  • Ja, vor allem am Anfang dachte ich, eine gute Idee genüge, um Erfolg zu haben. Ich war mir wohl tatsächlich nicht bewusst, welcher Zeitaufwand dahinter steckt. Oft sind es die Kleinigkeiten, die man unterschätzt. Vermutlich ist das aber bei jedem etwas anders.

Sie haben die Rechtsform der GmbH gewählt. Was hat Sie dazu bewogen und wer half Ihnen bei solchen Entscheidungen?

  • Ich hatte das Glück, dass ich schon ein fundiertes Wissen über die verschiedenen Rechtsformen mitbrachte. So war mir relativ früh klar, dass die GmbH die Rechtsform für mein Startup ist. Inbsesondere dafür sprach die freie Auswahl des Firmennamens und das kleinere Startkapital im Gegensatz zur Aktiengesellschaft.

Sie erhielten für Ihr Projekt früh Unterstützung und bauten sich ein Netzwerk auf. Welche Bedeutung messen Sie diesen Erfahrungen zu?

  • Ja, ich wurde von Anfang an von meinen Kollegen und der Familie unterstützt. Im Wissen, wie wichtig dieser Support war, würde ich diesen Schritt der Firmengründung immer wieder machen. Die Erfahrungen – nicht nur das Know-How, welches ich mir durch die Gründung aneignen konnte, sondern auch die Leute und Unternehmen, die ich kennenlernen durfte, werden sicherlich zentral für die Zukunft sein.

Was bringt einem die Überzeugung, dass genau das eigene Projekt jenes sein könnte, dass den Durchbruch schafft?

  • Hätte ich die Überzeugung nicht von Anfang an gehabt, dann hätte ich Intactcar nie gegründet. Zudem habe ich schon an einigen Kursen und Wettbewerben mitgemacht und das Feedback von den Experten war immer positiv. Dadurch bin ich überzeugt, dass mein Projekt mit der richtigen Marketingstrategie und mit der Leidenschaft, die ich tagtäglich aufbringe, den Durchbruch schaffen wird.

Sie sprechen es bereits an, nun geht es für Sie endlich ans Operative. Auf was freuen Sie sich am meisten?

  • Das ist richtig. Jetzt geht es endlich los mit der Vermarktung und der Bekanntmachung. Ich freue mich darauf, mit Intactcar Masstäbe zu setzen und einen digitalen Transformationsprozess eines Kundenprozessen umzusetzen. Unsere User werden dadurch Transparenz erhalten und dazu viel Geld sparen.

Wie lautet Ihr Rat an jemanden, der wie einst Sie über ein Startup nachdenkt? Welche Gedanken muss man sich am Anfang machen?

  • Mein Motto ist und war, dass wer nichts versucht, auch nie erfahren wird, ob es geklappt hätte. So lautet dann auch mein Rat an alle. Holt euch, wie ich es getan hab, Meinungen in eurem Umfeld und vor allem auch von Fachpersonen. Wenn diese postiv ausfallen, gibt es keinen Grund, nicht etwas zu probieren.

 

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