Finanzierung der Unternehmensnachfolge

Nicht selten stellt die Finanzierung der Unternehmensnachfolge alle Beteiligten vor grosse Herausforderungen. André Kühni, Leiter KMU Services bei der Aargauischen Kantonalbank, gibt Tipps.

Companymarket.ch: Die finanziellen Aspekte der Unternehmensnachfolge sind für viele Unternehmer eine Herausforderung. Was sind – aus finanzieller Sicht – die grossen Stolpersteine in der Unternehmensnachfolge?

André Kühni: In erster Linie scheitern viele, auch Übernahmen durch einen sinnvollen Nachfolger, an mangelnden Eigenmitteln. Zwar wird von einer Bank bei der Finanzierung jeder Fall individuell geprüft, in der Regel verlangen die Banken aber Eigenmittelanteile von um die 40%. Das kann schnell ins Geld gehen und bereits bei „kleineren“ Übernahmen von einer Million Schweizer Franken Eigenmittel in der Höhe von mehreren hunderttausend Schweizer Franken verlangen. Zwar werden auch Stehbeträge des Verkäufers (Verkäuferdarlehen) als Eigenmittel angerechnet. Die Firmeninhaber sind in der Regel aber nur beschränkt gewillt, weiterhin quasi über Jahre im Risiko zu bleiben.

Welches sind die wichtigsten Finanzierungsformen?

Hier kommt es darauf an, von was für Übernahmen man spricht. Die in den Zeitungen meistens genannten, grösseren Firmenverkäufe werden in der Regel mittels komplexer Finanzmodelle finanziert. Hier können Kapitalerhöhungen des Käufers, Anleihen, Aktientausch sowie andere Finanzprodukte angewendet werden. Bei Firmenübernahmen im KMU-Bereich dürfte hingegen weiterhin der Bankkredit die übliche Finanzierungsform sein. Zwar gibt es diverse private Mitfinanzierungsmöglichkeiten, sowohl auf Eigenkapital- wie auch auf Fremdkapitalbasis. Diese spielen in der Regel aber nur eine vernachlässigbar kleine Rolle, da die Renditeerwartungen solcher Vehikel meistens zu hoch sind und damit die Tragbarkeit bei einer Finanzierung in Frage gestellt wird. Zudem wollen die Käufer zumeist keinen weiteren, nachhaltig beteiligten Kapitalgeber an ihrer Seite wissen, da eines der Hauptargumente für eine Firmenübernahme insbesondere durch Private die wirkliche Selbständigkeit ist, d.h. sie wollen selber frei entscheiden können, wie die Firma sich weiter entwickelt und wie sie geführt werden soll.

Aus finanzieller Sicht stellen sich auch Fragen der Altersvorsorge. Kann sich ein Unternehmer darauf verlassen, dass der Erlös aus dem Unternehmensverkauf zur Erhaltung des Lebensstandards ausreicht?

Nein, keinesfalls. Der Wert einer Firma orientiert sich an den nachhaltigen Erträgen einer Unternehmung und nicht nach den Vorsorgebedürfnissen eines Inhabers. Es macht deshalb Sinn, sich bereits frühzeitig mit dem Thema der Vorsorge zu beschäftigen. In der Regel sind die Unternehmer hier gut aufgestellt, d.h. sie sind nicht unbedingt auf den Verkaufspreis der Firma als Altersvorsorge angewiesen. Trotzdem gibt es immer wieder Härtefälle, die beispielsweise auf eine späte Scheidung zurückzuführen sind, die den Inhaber in der Regel sehr viel seiner Vorsorge kosten, zumal oft der Wert der Firma viel zu hoch in das zu teilende Substrat der beiden Eheleute eingerechnet wird.

Ich empfehle allen potentiellen Firmenverkäufern deshalb jeweils, eine Finanzplanung zu erstellen, um abzuklären, ob allenfalls Lücken für die Finanzierung des Lebensabends bestehen. Falls der Ruhestand gut abgesichert ist, lässt sich auch in den Verkaufsgesprächen entspannter diskutieren. Auf der anderen Seite können grössere Vorsorgelücken auch bedeuten, dass man bis ins hohe Alter weiter arbeiten oder seinen Lebensstandard entsprechend einschränken muss.

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um sich als Unternehmer mit der Frage der Altersvorsorge zu beschäftigen? 

Die Frage der Altersvorsorge sollte man möglichst frühzeitig angehen. Je früher mit dem Ansparen von Beträgen für die Pensionierung begonnen wird, desto besser sind die Aussichten, beim Verkauf der Firma ohne Druck verhandeln zu können. Auch macht es aus steuerlichen Gründen Sinn, die Altersvorsorge im Blick zu behalten. Ferner bestehen bei der Vorsorge gewisse Fristen, die es einzuhalten gilt. Es ist schade, auf Steuereinsparungsmöglichkeiten zu verzichten, weil man sich zu spät mit dem Thema befasst hat. Schwieriger ist die Frage zu beantworten, wann ein Unternehmer seine Nachfolge beginnen soll. Dies ist sehr stark von der Firma und auch vom Unternehmer abhängig. Jeder verantwortungsvolle Unternehmer sollte sich aber immer über seine Nachfolge im Klaren sein. Unfälle oder krankheitsbedingte Ausfälle können immer eintreten. Wenn die führungslose Firma in diesem Fall dann in ein Chaos stürzt, geht viel an Wert verloren.

Welche Tipps müssen unbedingt beachtet werden?

Im Vordergrund aller Überlegungen sollte immer das Wohl der Unternehmung stehen. Deshalb sollte sich jeder Inhaber stets die Frage stellen, was mit der Firma passiert, falls er ausfällt. In der Regel werden dann auch die richtigen Schlüsse gezogen. Hilfreich ist es zudem, sich mit Fachleuten aus dem Bankenbereich, aus Versicherungen oder dem Treuhandwesen abzusprechen, allenfalls auch mit mehreren.

Vielen Dank für das Gespräch!

André Kühni, lic. rer. pol., MAS Corporate Finance CFO, ist Leiter KMU Services und Mitglied der Direktion der Aargauischen Kantonalbank.

Das Interview führte Fabian Staub, Consultant companymarket.ch

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