Hilfe, die Roboter kommen?

Eine voranschreitende Digitalisierung und Maschinen, die den Menschen im Arbeitsalltag ersetzen sollen. Das sind aktuell Themen, die bei vielen Arbeitnehmenden für Ängste und Verunsicherung sorgen. Doch sind die Sorgen berechtigt?

Erst kürzlich, am 21. November 2017, hat das erste Mal der Schweizer Digitaltag stattgefunden. An über 80 Veranstaltungen, verteilt über das ganze Land, haben namhafte Unternehmen die digitalisierte Welt von morgen vorgestellt. Unter anderem am Hauptbahnhof in Zürich. Ob ein Blick durch 360-Grad-Brillen, eine vollkommen digitalisierte Welt des Reisens oder der Gesundheit: All dies konnten tausende von Ausstellungsbesuchern sprichwörtlich hautnah miterleben.

Gewerkschaft fordert soziale Digitalisierung

Doch was bei vielen Menschen für Begeisterungsstürme sorgt, bedeutet auf der anderen Seite für Arbeitnehmende in der Schweiz Unsicherheit, teils sogar Angst. Bei Konzernen und KMU. Und dies wiederum ruft die Gewerkschaften auf den Plan. Die Unia beispielsweise fordert eine «soziale» Digitalisierung. Aus ihrer Sicht darf die Digitalisierung nicht zur Steigerung des Gewinns genutzt werden, sondern muss vollumfänglich den Arbeitenden zu Gute kommen. Unternehmen sollen in die Weiterbildung ihrer Mitarbeitenden investieren, damit diese mit der rasanten technologischen Entwicklung Schritt halten können. Und: Der Kündigungsschutz der älteren Arbeitnehmer soll weiter verstärkt werden.

Wie aus einer aktuellen Studie von Avenir Suisse nun hervorgeht: Die Digitalisierung wird die Schweizer Wirtschaft wohl umkrempeln. Von einer eigentlichen Apokalypse auf dem Arbeitsmarkt seien wir jedoch meilenweit entfernt. Im Gegenteil. Neue Maschinen würden zu einer gesteigerten Wertschöpfung und damit automatisch zu einer zusätzlichen Nachfrage nach neuen Gütern und Dienstleistungen führen. Dass dies wiederum neue Arbeitsplätze schafft, liegt auf der Hand. So gesehen sei die Automatisierung, Mechanisierung oder Digitalisierung erst die Voraussetzung dafür, dass neue Stellen geschaffen werden.

Markante Zunahme der Akademiker

Die digitale Revolution an sich ist nichts Neues. Bereits 2015 haben rund 30 Prozent der Beschäftigten in der Schweiz im «digitalen Teil» der Wirtschaft gearbeitet. Innerhalb von 20 Jahren entspricht dies einer Zunahme von fast 50 Prozent. Zum digitalen Sektor zählen Branchen wie beispielsweise die Telekommunikation, Software, Verlagswesen sowie die Unterhaltungsbranche.

Auf dem Schweizer Arbeitsmarkt sind indes Veränderungen zu beobachten. So hat der Anteil der Erwerbstätigen mit mittleren Qualifikationen fast jährlich abgenommen. Hingegen haben Hochqualifizierte wie Akademiker und Techniker in der gleichen Zeitspanne markant zugenommen. Hier fällt besonders der Anteil an hochqualifizierten Frauen auf; seit 1991 um fast 20 Prozent. Bis zum heutigen Zeitpunkt gibt es jedoch keinen Hinweis darauf, dass es vermehrt zu technologisch bedingter Arbeitslosigkeit kommt. Und obwohl neue digitale Plattformen und neue Formen der Erwerbstätigkeit ins Blickfeld rücken: Die tatsächlichen Veränderungen sind bescheiden. Die klassische Karriere ist entsprechend auch heutzutage noch weit verbreitet.

Anpassungen beim Arbeitsgesetz notwendig?

Interessant festzustellen ist die Tatsache, dass der Wunsch nach flexiblen Arbeitsmodellen in der Priorität der Mitarbeitenden ganz weit oben stehen. So erstaunt es nicht, dass immer mehr Firmen in der Schweiz mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Teilzeitarbeitsmodellen und variablen Präsenzzeiten um die Gunst der Hochqualifizierten buhlen.

Das aktuelle Arbeitsgesetz, welches im vorigen Jahrhundert im Zuge der Industrialisierung zum Schutz des Arbeitnehmers entstanden ist, scheint nicht mehr passend. So regelt es fixe Arbeitszeiten, eine Trennung zwischen Tag- und Nachtarbeit sowie die Pausen. Der Wunsch seitens Arbeitgeber, das geltende Arbeitsgesetz dieser Entwicklung anzupassen, stehen die Sorgen der Gewerkschaften gegenüber. Sie befürchten, dass so der Willkür gegenüber den Mitarbeitenden Tür und Tore geöffnet würden.

Müssen wir uns also zusammenfassend die Frage stellen: Hilfe, die Roboter kommen? Nein. Zumindest nicht in mittelfristiger Zukunft. Dass der Wandel stattfinden wird, ist unbestritten. Und wie Wandel für die einen Unternehmen Chancen bieten, kann dieser wiederum für andere Branchen gravierende Folgen haben. Von der fortschreitenden Digitalisierung jedoch Angst zu haben, scheint aktuell noch unbegründet.

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Quellen
Avenir Suisse, Studie «Wenn die Roboter kommen», 10.12.2017.