Unternehmensnachfolge, Strategie und Recht

Rechtliche Fragestellungen spielen in der Nachfolgeplanung eine zentrale Rolle und stellen für viele Unternehmer eine Herausforderung dar. Professor Leo Staub von der Universität St. Gallen gibt Auskunft.

companymarket.ch: Die Nachfolgeplanung ist äusserst vielschichtig. Welche Aspekte müssen unbedingt beachtet werden?

Leo Staub: Zuerst muss einmal ein geeigneter Nachfolger, eine geeignete Nachfolgerin gefunden werden. Dann geht es darum, das Unternehmen strategisch und organisatorisch so aufzustellen, dass die Übergabe der Verantwortung möglichst reibungslos verläuft. Unter Umständen muss sodann die Bilanz von nicht betriebsnotwendigen Vermögenswerten entlastet, und es muss die Finanzierung der Nachfolge geregelt werden. Schliesslich ist der ganze Vorgang unter Berücksichtigung steuerlicher und rechtlicher Vorgaben sorgfältig zu planen.

Konzentrieren wir uns auf die rechtlichen Aspekte der Nachfolgeregelung. Welche Fragen stellen – aus rechtlicher Sicht – die grössten Herausforderungen dar?

Es gilt aus rechtlicher Sicht vier Fragekreise zu berücksichtigen: (1) Eherecht: Was muss eherechtlich vorgekehrt werden, damit die Existenzsicherung der bisherigen Unternehmer und ihrer Ehepartner gewährleistet ist? Wie kann das Unternehmen vor dem Risiko einer Scheidung des Übergebers, aber auch des Übernehmers geschützt werden? (2) Erbrecht: Welche Regelungen sind notwendig, um das übernommene Unternehmen und die Geldgeber vor dem Risiko des Todes des Übernehmers zu schützen? Was muss getan werden, damit die erbrechtlichen Ansprüche der Nachkommen und Ehegatten des bisherigen Unternehmers ausreichend berücksichtigt sind? (3) Gesellschaftsrecht: Ist die bisherige Rechtsform des Unternehmens die richtige für die Nachfolge? Müssen Statuten und Organisationsreglement angepasst werden? Braucht es einen Aktionärsbindungsvertrag? (4) Welche Verträge sind notwendig, um die Transaktion sauber abzubilden (z.B. Aktienkaufvertrag, Finanzierungsverträge)? Müssen wettbewerbsrechtliche Hürden beachtet werden?

Wann sollte eine Umwandlung der Rechtsform in der Unternehmensnachfolge in Betracht gezogen werden?

Es ist schwierig, auf diese Frage eine allgemeingültige Antwort zu geben. Massgebend ist die Situation im Einzelfall. Typische Beispiele für die Notwendigkeit der Änderung der Rechtsform sind etwa die Übergabe einer bisherigen Einzelfirma an mehrere Nachfolger, der Verbleib des bisherigen Unternehmers als Eigenkapitalgeber im Unternehmen, verbunden mit dem Bedürfnis, das Haftungs-Risiko zu beschränken, oder die Übergabe des bisher als Personengesellschaft organisierten Unternehmens an das Management.

Welche Bedeutung haben steuerrechtliche Aspekte in der Nachfolgeplanung?

Bei der Suche nach einer guten Nachfolgelösung sollten steuerliche Aspekte nie absolute Priorität haben. Wenn aber einmal die Grundzüge der Lösung feststehen, muss danach getrachtet werden, die Transaktion steuerlich optimal zu gestalten. Eine geschickte Steuerplanung kann für die finanzielle Tragbarkeit der Nachfolgelösung von entscheidender Bedeutung sein. Es empfiehlt sich immer, das Konzept der geplanten Transaktion im Voraus mit der Steuerbehörde abzusprechen und dafür ein sogenanntes Ruling einzuholen.

Auch das Ehe- und Erbrecht spielt eine wichtige Rolle. Was sollte unbedingt beachtet werden?

Scheidung und Tod eines Unternehmers oder einer Unternehmerin können ein Unternehmen existenziell bedrohen, wenn nichts geregelt ist. Diese beiden Hauptrisiken sollten in einem Ehe- und Erbvertrag angesprochen werden. Unternehmerpaare, die ohne einen solchen Ehe- und Erbvertrag unterwegs sind, tanzen wirklich ohne Netz auf dem hohen Seil!

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um die Nachfolgeplanung an die Hand zu nehmen?

So früh wie möglich! Schicksalsschläge können auch junge Unternehmer treffen. In jeder Phase des Lebenszyklus muss überlegt werden, was an Vorkehrungen notwendig ist für den Fall, dass – vielleicht unerwartet – das Unternehmen in andere Hände übergehen muss. Dafür braucht es eine Notfall-Regelung, die von Zeit zu Zeit wieder den veränderten Verhältnissen angepasst wird. Gegen Ende der Unternehmerkarriere steht aber natürlich in der Regel eine geplante Nachfolge zur Diskussion. Um steuerlichen Spielraum zu haben, muss mit einem Zeitbedarf von mindestens fünf Jahren zwischen Beginn der Nachfolgearbeiten bis zu deren Abschluss gerechnet werden.

Vielen Dank für das Gespräch!

Prof. Dr. Leo Staub ist Rechtsanwalt und Direktor der Executive School for Management, Technology and Law der Universität St. Gallen(ES-HSG). Leo Staub leitet an der ES-HSG unter anderem den Master-Lehrgang „Wirtschaftsrecht für Manager“ und lehrt dort namentlich zum Recht der Unternehmensnachfolge. Als Rechtsanwalt ist er spezialisiert auf rechtliche Fragestellungen im Zusammenhang mit der Ansiedlung, der Gründung, der Umstrukturierung, dem Zusammenschluss und der Sanierung von Unternehmen sowie beim Kauf oder Verkauf eines Unternehmens und der Nachfolgeregelung.

Das Interview führte Fabian Staub, Consultant companymarket.ch