Veränderungen – Die stetige Konstante

Mit der Erfindung der Dampfmaschine wurde das Industriezeitalter eingeläutet. Was dies bewirkte wissen wir. Was die breite Nutzung des Internets herbeiführte wissen wir ebenfalls. Nun stehen diverse technische Erneuerungen respektive Veränderung an: All IP, Industrie 4.0, Robotertechnologien, u.v.m. Dies sind technische Veränderungen, die unser Arbeitsumfeld neu prägen werden. Was uns diese bringen kann nur vermutet werden.

Durch die Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg mit dem Druck der Bibel (zwischen 1452 und 1454) wurde eine Medienrevolution ausgelöst. Plötzlich waren Bücher nicht mehr nur einer auserlesenen Schicht sondern für jeden Menschen zugänglich. Erst rund 250 Jahre später wurde durch Pestalozzi die Bildung für jeden Bürger ermöglicht. 1769 wurde die Dampfmaschine durch James Watt patentiert. Dadurch wurden die Webstühle relativ schnell automatisiert. Heimarbeitsplätze gingen verloren und es führte zu Auseinandersetzungen zwischen Arbeitgeber und –nehmer. Dies wiederum führte zu politischen Veränderungen und Unruhen so dass Sozialistische Parteien gegründet wurden. Der erste industriell geführte Krieg – der 1. Weltkrieg – war das schreckliche Resultat. In der Zeit bis nach dem 2. Weltkrieg passierten wenige technische Errungenschaften. Mit der Erfindung des Transistors (1948) wurde die Ära Computer eingeläutet. Zu Beginn konnten sich solche raumfüllende Maschinen nur staatliche Stellen (v.a. Militär) und Grossfirmen leisten. In Firmen wurden Buchführer (diejenigen die Konten von Hand führten) durch Computer ersetzt und der Buchhalter als neuer Job war geboren. Dann kam der PC, Softwareprogramme, Internet, etc. Auch diese veränderten das Jobprofil vieler Angestellten. Veränderungen in der Vergangenheit benötigten mehrere Dekaden für deren Auswirkungen. – Heute sind diese Auswirkungen innert weniger Jahren spürbar…

Mit der Verbreitung des Internets, welche in Europa so richtig Mitte der 90er-Jahre begann, veränderte sich auch das Kommunikationsverhalten. Anfang des neuen Jahrtausends wuchs die Telekommunikation mit der Informatik immer mehr zusammen und erste Handheldcomputer wurden lanciert. Die Einführung des iPhone vor genau 10 Jahren läutete die Generation des Smartphones ein. Dies vereinfachte die Nutzung der Kombination von Telefonie mit Softwareapplikationen und des Internets. In diesen rund 20 Jahren veränderte sich einiges. Geschäftsmodelle der Telefonie-Anbieter wurden nahezu über Nacht in einem sehr schnellen Wandel vernichtet. Als Erstes verschwanden sukzessive die Telefonkabinen und die SMS-/MMS-Dienste werden immer mehr substituiert. An deren Stelle kommen neue Möglichkeiten wie skype, WhatsApp, iO, Face Time, welche das Kommunizieren per Smartphone, PCs und anderen Geräten nahezu kostenlos ermöglicht. All diese Dienste basieren auf IP (Internet Protokoll). Das heisst, dass diese Dienste alle in einer gemeinsamen Sprache kommunizieren. Ein neues Wort beherrscht aktuell die Szene: All IP. Weltweit geschieht der Wandel hin zu All IP. Deshalb werden auch in der Schweiz bis Ende 2017 die herkömmlichen Festnetztelefonie-Dienste auf IP umgestellt. Diese Transformation vereinfacht die Kommunikation, da unter anderem geräteunabhängig kommuniziert werden kann. Zum Beispiel kann von unterwegs mit der Festnetztelefonnummer telefoniert werden. Zudem reduziert es die Komplexität der diversen Protokolle, wodurch die Grenze zwischen den klassischen Telco-Anbietern und den IT-Dienstleistern verwischt werden. Somit tritt aktuell eine grosse Anzahl Anbieter auf, wobei sich der Markt früher oder später wieder konsolidieren wird.

Das veränderte Kommunikationsverhalten hat sich auf diverse weitere Branchen ausgewirkt. So leidet der Handel bereits darunter, indem vermehrt online bestellt wird und Preise verglichen werden. Somit muss der Handel ein Erlebnis schaffen, um die Kunden zu bewegen bei ihm zu kaufen. Tageszeitungen werden durch aktuelle Informationen im Internet substituiert. Jeder Handynutzer wird plötzlich ganz aktuell zum Reporter. Insertionen sind am Einbrechen. All dies bewirkt bei den Medien ein Umdenken in Bezug auf Nutzung des Internets und des regionalen Gedankens und neue Modelle werden gesucht. Der Einen Leid der Anderen Freund: Logistikunternehmen gehen daraus als Gewinner hervor. Jobprofile werden sich sehr schnell verändern. So wird auch der Bankschalterangestellte durch Internet-Banking abgelöst und er muss sich zu einem Berater verändern.

Durch neue Portale wie Uber, AirBnB, Sharoo, etc. stehen plötzlich Privatanbieter in Konkurrenz mit Taxis, Autovermietung, Hotels etc. Dank dem sich Politiker einmischen ist deren Existent (noch) nicht bedroht. Auch hier müssen sich die Anbieter Gedanken dazu machen, wie ihre Leistungen zukünftig aussehen sollen.

Roboter verdrängen schon seit längerer Zeit Produktionsarbeitsplätze. Mit Industrie 4.0, wo alle Gerätschaften eine IP-Adresse haben, wird sich dies noch beschleunigen. Der Handwerker wird zum Operator und dies von überall her auf dieser Welt. Denn Überwachungen und Steuerungen können plötzlich von jedem Arbeitsplatz her erfolgen. Und dies nicht nur in der Industrie sondern auch im Privathaushalt, wo man Heizungen, Alarmsysteme, Kühlschranke oder das Licht aus der Ferne steuern kann. Das Schlagwort dafür heisst IoT (Internet of Things). Für Roboter in der Pflege laufen erste Versuche, das Andenken von führerlosen Zügen und Flugzeuge sind Tatsache. Überleben werden die Firmen mit Leistungen, welche den persönlichen Kontakt benötigen – wo Denken gefragt und Beratung wichtig sind. Verlieren werden diese, die den Wandel nicht mitmachen werden. Selbstfahrende Autos sind auch bereits Realität. Hier bedingt es nicht mehr viel technische Anpassungen bis dies umfallfrei umgesetzt werden kann. Aber auch Gesetze und Richtlinien müssen entsprechend Überarbeitung erfahren.

Jede Veränderung birgt Chancen und Gefahren. Die grösste Gefahr ist Veränderungen nicht frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu handeln. Man muss sich bewusst sein, das was heute ist morgen bereits anders sein kann. Deshalb muss der Markt, und nicht nur der eigene, fortlaufend beobachtet werden. Man muss sich dem Zusammenspiel der verschiedenen Märkte bewusst sein. Darauf basierend sollen Geschäftsmodelle laufend hinterfragt werden. Innovationen sollen bewusst betrieben werden. Führungskräfte müssen Mut haben zu entscheiden, sich von Sachen zu trennen und Neues zu wagen. Geistige Flexibilität und das Verlassen des Hamsterrades sind gefragt. Denn der Kunde entscheidet was er wie will und dabei ist nicht massgeben was das Unternehmen macht oder machte sondern was es bieten wird.

Arbeitnehmer müssen sich bewusst sein, dass ihre heutige Tätigkeit nicht mehr dem entsprechen kann, was morgen gefordert ist. Der Wille zur Veränderung muss vorhanden sein. Aus- und Weiterbildung sind auf allen Stufen notwendig und aus Eigeninitiative begrüsst. Arbeits-/Lohnmodelle wie auch zeitlicher Einsatz werden sich ändern. Arbeitsorte werden mobil und dass man sich in Zukunft eventuell für mehrere Arbeitgeber verpflichtet ist auch absehbar.

Politiker müssen bei Bedarf gesetzgebend zu Gunsten des Arbeitsplatzes Schweiz schnell reagieren können. Verbände sollen vorausschauend die Berufsbilder anpassen.

Fakt ist, dass es auch morgen genügend Arbeit auf dieser Welt geben wird. Die Frage ist nur wer welche Teile des Kuchens abschneiden wird. Wie wir aus der Historie entnehmen, gab es schon immer Veränderungen und führte zu Neuem. Diejenigen die sich schnell den Veränderungen anpassen konnten haben überlebt. Diejenigen die in alt bewährtem verharrten oder sich in der Höhle verkrochen wurden substituiert. Man sollte bedenken, dass Landesgrenzen geografische, durch Menschen geschaffene, Linien sind und eine beschränkte Marktwirtschaft ermöglichen. Neue technische Errungenschaften sprengen diese Grenzen. Kriege wurde geführt um Grenzen und Macht auszuweiten und so an Ressourcen zu kommen. Heute sind mächtige Länder die, welche in andere Länder investieren und Arbeitsplätze schaffen. Dank Technologie können Arbeitsplätze überall auf dieser Welt generiert werden. Wichtig dabei ist, die Fäden in der Hand zu halten.