Wertschöpfung durch Digitalisierung

Nicht jedem technologischen oder ökonomischen Trend muss stur Folge geleistet werden. Ist die Digitalisierung relevant für den Mittelstand? Ist diese positiv oder negativ einzuschätzen oder sind mittelständische Unternehmen überhaupt davon betroffen? Diese Fragen sind jedoch obsolet.

Take Away

1. Die Nutzung von modernen Informations- und Kommunikationstechno-logien erzielen Verbesserungen in den Geschäftsprozessen und eröffnen neue Chancen in den Geschäftsmodellen. Die Folge ist die Digitalisie-rung, der Weg dorthin die Digitale Transformation.
2. Die Digitalisierung ist bei mittelständischen Unternehmen angekommen. Sie leistet einen relevanten Wertschöpfungsbeitrag und sollte daher in der Unternehmensstrategie eingebettet sein.
3. Das Potential aus der Digitalisierung wird häufig nicht ausgeschöpft. Es liegt in der Effizienzsteigerung der operativen Leistungserstellung, in der Erhöhung des Kundennutzen und in der Kommunikation mit Kunden und Lieferanten.
4. Das grösste Potential liegt oft in der Entwicklung neuer Geschäftsmodel-le, damit das Unternehmen langfristig überlebensfähig bleibt.
5. Die Steigerung von Arbeitseffizienz und -effektivität durch die Digitalisie-rung kann positive Auswirkungen auf die tägliche Arbeit der Mitarbeiten-den haben. Dies z.B. durch die Senkung der individuellen Belastung oder freiwerdende Kapazitäten für qualifiziertere Arbeiten.

Das Bauchgefühl muss stimmen

Der Mittelstand ist integrativer Bestandteil der Digitalisierung und muss struktu-relle Überlegungen zur eigenen Strategie und zum Geschäftsmodell anstellen. Es sind Antworten darauf zu finden, inwieweit die Digitalisierung umzusetzen ist, welche Chancen sich daraus in der Wertschöpfung, in der Kommunikation und in der Zusammenarbeit mit Kunden und Lieferanten ergeben. Schlussendlich geht es darum, das Unternehmen langfristig überlebensfähig zu erhalten.

Erfahrungsgemäss gehören Innovation und Tradition zum Verständnis mittel-ständischer Unternehmen. In manchen Bereichen steht man Trends und tech-nologischen Entwicklungen mit einiger Zurückhaltung gegenüber. Mit diesem unternehmerischen Bauchgefühl liegt man häufig richtig, im Kontext der Digitali-sierung ist aber der anspruchsvolle Spagat zu finden zwischen chancenreicher Innovation und erforderlicher Tradition. Der Mittelstand ist gegenüber Grossun-ternehmen gerade hier oft im Vorteil, weil Entscheidungen schneller und flexibler fallen.

Eine zentrale Bedeutung kommt der Frage zu, welche Trends reine Modeer-scheinungen sind und welche Trends zu berücksichtigen sind, da sie einen kon-kreten Beitrag zu Verbesserung des Wertschöpfungsbeitrages leisten oder sogar zu einer Bedrohung des momentanen Geschäftsmodelles werden können.

Spannungsfelder. Muss alles Digital sein?

Die Digitalisierung wird als Megatrend wahrgenommen, darum sollte sich auch der Mittelstand mit der Entwicklung, mit deren Chancen und Risiken beschäfti-gen. Untersuchungen zeigen, dass ein grundsätzliches Problembewusstsein vorhanden ist, dass aber im Detail kaum Vorstellungen zur Digitalisierung vor-handen sind.

Im Kern tangiert die Digitalisierung die Leistungsprozesse in Unternehmen. Nicht alle Aktivitäten in der Wertschöpfungskette sind aber im gleichen Umfang be-troffen. Nicht für alle Funktionsbereiche wird durch die Digitalisierung eine Stei-gerung in der Wertschöpfung mit gleicher Relevanz erzielbar sein.

In der Betrachtung rückt die Informationstechnologie im Vergleich zur Produkti-on in den Vordergrund. Die Überlegungen gehen der Frage nach, wie digitale Techniken Geschäftsprozesse, Kundenbeziehungen und Angebote unterstützen und ausbauen können. Damit werden Unternehmen zukünftig vermehrt digitale Wertschöpfungsketten betreiben, welche eventuell durch materielle Güter und Produktkomponenten ergänzt werden und nicht umgekehrt.

Nicht die Liebe zum Produkt sondern der Kundenwunsch ist das Primat der Ge-genwart und noch mehr der Zukunft. Das Geschäftsmodell muss in konsequen-ter Weise dem vorhandenen Kundenbedarf folgen und nicht um einzelne Pro-dukte herum organisiert sein. Das Wissen um die genauen Wünsche der Kun-den ist essentiell um die Kunden besser zu verstehen und gemeinsam Produkte zu entwickeln, welche neues Wachstum erzeugen.

Klarheit mit der Unternehmens-Strategie

Die Strategie ist ein unternehmenspolitisches Handlungsmuster, welches zielori-entiert verfolgt, wie ein Unternehmen die eigenen Stärken und die sich ergeben-den Chancen optimal in der Unternehmenswelt nutzt.

Digitale Strategien zielen häufig auf die Entwicklung von digitalen Geschäftsmo-dellen, um das Potential digitaler Markt- und Kundenzugänge zu erschliessen. Erforderlich dazu ist die Verzahnung von Geschäfts- und IT-Strategie.

Mittelständische Unternehmen sind meistens Teil von unternehmensübergrei-fenden Wertschöpfungsketten. Eine der Qualitäten liegt in der engen Verzah-nung der eigenen Leistungserbringung mit derer der Lieferanten sowie mit den Absatzmärkten bzw. den Kunden.

Welche Aktivitäten sind primäre, Wert generierende und welche sind eher unter-stützende Aktivitäten im Unternehmen? An welchen Stellen bestehen Schnitt-stellen, die aktiv gesteuert werden müssen? Hier lohnt sich, die genaue und de-taillierte Betrachtung der Schnittstellen zu Lieferanten (Einkauf) und Kunden (Marketing/Vertrieb). Die Praxis zeigt, dass mit dem Einsatz von digitalen Lö-sungen enormes Potential in den Prozesskosten und in der Steigerung des Kun-dennutzen ausgeschöpft werden kann.

Informations- und Kommunikationstechniken sollten daher nicht als rein unter-stützende Elemente der Unternehmensstrategie betrachtet werden, sondern in die Strategieplanung und -umsetzung integriert sein. Dazu braucht es eine ge-genseitige Abstimmung zwischen der IT- und der Unternehmensstrategie. Die IT- Strategie soll dabei die Unternehmensstrategie ermöglichen bzw. unterstüt-zen.

Die Welt wird digital

Bei der Digitalisierung handelt es sich um ein strategisches Kernthema, mit wel-chem sich Geschäftsführer und Verwaltungsräte mittelständischer Unterneh-men heute beschäftigen müssen. Es ist kein Thema, dass entweder Bottom-up oder durch die IT-Abteilung geführt werden kann.

Zu Beginn sollten aus Sicht des Unternehmens die relevanten Rahmenbedin-gungen überprüft und die Kernfrage beantwortet werden: Werden wir mit dem derzeitigen Geschäftsmodell und unserer aktuellen Strategie auch in Zukunft wettbewerbsfähig sein und Erfolg haben?

In der Folge sollte sorgfältig untersucht werden, ob einzelne Aktivitäten oder so-gar die ganze Wertschöpfungskette digitalisiert in das bisherige Geschäftsmodell integriert werden kann.

Vielfach muss auch das bisherige Geschäftsmodell hinterfragt werden. Um den veränderten Kundenbedürfnissen und -wünschen gerecht zu werden und auch zukünftig den Bedingungen des Wettbewerbes Stand zu halten kann es deshalb erforderlich sein, ein ganz neues Geschäftsmodell zu entwickeln.

Über allem sollte die Frage stehen: Wie können wir unser Unternehmen, unsere Mitarbeiter, Produkte und Leistungen durch Digitalisierung besser machen? Wichtig dabei ist, dass man sich nicht in operative Details und Themen verrennt und auf der strategischen Ebene bleibt.

Die Digitalisierung von Produkten und Prozessen erleichtert dem Unternehmen bisher existierende Barrieren wie geografische Entfernung, Informationsdefizite oder emotionale Distanz zu Kunden zu überwinden, auch über Branchengrenzen hinweg.
Dem Aufbau digitaler Wertschöpfungsaktivitäten ist daher das Hauptaugenmerk zu richten. Zusammenfassend bekommt mit der Digitalisierung die Wertschöp-fungskette eine weitere Dimension.

Digitale Geschäftsmodelle, ökonomisch sinnvoll oder Modeerscheinung?

Im Kern des Geschäftsmodelles geht es darum, mit welchen Leistungen ein Un-ternehmen welchen Kunden konkret Nutzen schafft, wie es diese vermittelt und welche Gegenleistung es dafür erhält.

Da die Unternehmensumwelt stetig im Wandel ist, kann nicht davon ausgegan-gen werden, dass das heutige Geschäftsmodell auch zukunftsfähig ist. Eine zumindest periodische Überprüfung drängt sich auf, welche mit der Digitalisie-rung zusätzlich an Gewicht gewinnt. Im Rahmen einer Geschäftsmodellthematik sind folgende Fragen zu beantworten:

– Wie entwickelt sich das Umfeld unseres Unternehmens und unser Ge-schäft ohne strategische Eingriffe?
– Welche Aktivitäten in der Wertschöpfungskette differenzieren uns von den Mitbewerbern langfristig und wie digital sind diese bzw. könnten die-se sein?
– Welchen Mehrwert im Kundennutzen kann unser Unternehmen auf der Basis der Digitalisierung bieten?
– Wie können digitale Kompetenzen innerhalb des Unternehmens besser genutzt werden?
– Wie sieht eine mögliche Transformationsstrategie aus?

Vor allem die Veränderungen in der Unternehmensumwelt beeinflussen die Stimmigkeit und den Erfolg von Geschäftsmodellen. Veränderungen von einzel-nen oder mehreren relevanten Faktoren können bestehende Geschäftsmodelle existenziell bedrohen. Diese Erfahrung hat beispielswiese die gesamte Musikin-dustrie machen müssen.

Umgekehrt können diese häufig auch Chancen für alternative Geschäftsmodel-le sein. Daraus lassen sich grundsätzlich drei Handlungsoptionen ableiten:

– Bewusster Verbleib im etablierten Geschäftsmodell. Zum Beispiel wenn Technologie und Technik nicht zur Kultur eines mittelständischen Un-ternehmens passen, bringt die Digitalisierung wenig bzw. kann sogar schaden.
– Weiterentwicklung des bisherigen Modelles durch Geschäftsmodell-innovationen
– Übernahme eines ganz neuen Geschäftsmodells

Die Resultate aus einer Befragung von Deloitte bei mittelständischen Unterneh-men zeigen, dass nur rund 25% der Befragten eine Veränderung in der Wert-schöpfungskette und -logik durch die Digitalisierung sieht. Ein Anzeichen dafür, dass die Chancen und Tragweite der Digitalisierung für Geschäftsmodelle noch nicht erkannt sind.

Hier kann nur gewinnen, wer dank der Digitalisierung nicht nur Kosten durch Prozessoptimierung senkt, sondern auch den Mehrwert und Nutzen für den Kunden erhöht und gleichzeitig die Kosten der Kundenbeziehungen ebenfalls senkt. Nur wer seine Kundenbeziehungen optimal und mit modernsten Mitteln pflegt, hat langfristig eine Chance.

Chancen und Potentiale finden

Die vielen Trends und Entwicklung unterstreichen, dass die Digitalisierung ein fortschreitender und sehr dynamischer Prozess ist. Er wird die Art und Weise verändern, wie Geschäfte im B2B und B2C-Bereich in Zukunft abgewickelt werden. Um die Bedeutung aktueller Entwicklungen und Möglichkeiten wie bei-spielsweise die Datengewinnung und die daraus erzielbaren Erkenntnisse oder die Informationssicherheit für das eigene Unternehmen einschätzen zu können, muss die Unternehmensumwelt aktiv nach erfolgreichen und weniger erfolgrei-chen Beispielen beobachtet werden. Techniken und Technologien sind dahinge-hend zu untersuchen, ob sie einen Wertschöpfungsbeitrag für das Unternehmen leisten können und die Umsetzung der Strategie unterstützen.

Digitalisierung ist damit ein Prozess, der strategisch angegangen werden muss. Der Nutzen und Erfolg kann für mittelständische Unternehmen nur sinnvoll nachvollzogen und verstanden werden, wenn die digitalen Aktivitäten bewertet werden mit der Erhöhung von Effizienz und Effektivität. So lassen sich die not-wendigen Erkenntnisse und relevanten Faktoren identifizieren und in einen un-ternehmerischen Lernprozess überführen.

In vielen spezialisierten Bereichen kann es für mittelständische Geschäftsleitun-gen schwierig werden, den gesamten Digitalisierungsprozess zu überblicken und zu führen. Hier kann eine Unterstützung durch externe Akteure die Möglichkei-ten eröffnen, das Fachwissen mit eigenen unternehmerischen Expertisen ge-winnbringend zu verbinden.