Chancen und Herausforderungen für KMU im 2019

Nach einem weitgehend unbeschwerten Jahr müssen die Schweizer Unternehmen 2019 die volkswirtschaftlichen Risiken sehr ernst nehmen und sich auf allfällige Schwierigkeiten vorbereiten.

Die Schweiz ist bekanntermassen ein KMU-Land. 99 Prozent aller Unternehmen hierzulande sind kleine oder mittlere Betriebe. Dementsprechend gross ist ihre volkswirtschaftliche Bedeutung. Sie tragen massgeblich zu Beschäftigung, Export, Unternehmertum und Innovation in der Schweiz bei. 2018 war für die KMU ein Prachtjahr: der Wirtschaftsmotor brummte, die Auftragsbücher waren voll und die Margen gut. Die hohe Dynamik der Weltwirtschaft sorgte für eine starke Nachfrage nach Schweizer Waren und Dienstleistungen. Auch der Durchhänger im dritten Quartal konnte das Jahr nicht trüben, denn bereits im Oktober wurde bei den Warenexporten ein Allzeithoch verzeichnet. Insgesamt legten die Exporte 2018 im Vergleich zum Vorjahr deutlich zu. Schweizer Firmen investierten im vergangenen Jahr kräftig in Produktionsanlagen und den Ausbau neuer Geschäftstätigkeiten.

So rosig sich die Wirtschaftslage 2018 präsentierte, so vielschichtig sind die Herausforderungen, die 2019 auf Schweizer Unternehmen zukommen. Die wirtschaftspolitischen Unsicherheiten sind deutlich grösser geworden. Der Handelskrieg zwischen den USA und China, der Brexit, die Angst vor einer erneuten Schuldenkrise in Europa und potenzielle Nadelstiche der EU aufgrund ihres ungeklärten Verhältnisses zur Schweiz verunsichern die hiesigen Unternehmen.

Drei Konjunkturrisiken haben sich zuletzt stark akzentuiert. Erstens besteht eine reelle Gefahr, dass die Schuldenkrise in Europa wieder ausbricht und dass sich in diesem Zusammenhang auch der Franken gegenüber dem Euro aufwertet. Schon jetzt zeigt sich, dass sich die europäische Konjunktur abschwächt. Da viele Länder der Euro-Zone es verpasst haben, die Staatsfinanzen nachhaltig zu sanieren, droht bei einer weiteren Konjunkturabschwächung eine Negativspirale. Gerade Italien bedroht die Stabilität der Euro-Zone. Unser südliches Nachbarland ist jedoch «Too-big-to-fail», weil es einerseits die drittgrösste Volkswirtschaft der Eurozone ist und andererseits seine Staatsverschuldung den vorgesehenen Rettungsschirm weit übersteigt. Erschwerend kommt hinzu, dass viele kurzfristige Anleihen 2019 auslaufen und Italien auf dem Kapitalmarkt somit Schulden im Umfang von über 250 Milliarden Euro erneuern muss. Ähnlich wie 2011 könnten daher Fragen über die Zukunft des Euros den Franken wieder erstarken lassen. Bei allfälligen Turbulenzen an den Märkten würden sich die nach wie vor guten Exportaussichten der Schweizer Industrie rasch eintrüben. Auch der Brexit schwächt die europäische Konjunktur insgesamt.

Zweitens kann der Handelsstreit zwischen den USA und China einen Einbruch der globalen Konjunktur zur Folge haben. Und drittens können auch hausgemachte Probleme die Schweizer Wirtschaftsentwicklung negativ beeinflussen. Der sich nun abzeichnende Ausstieg aus der ultraexpansiven Geldpolitik in Europa und der Schweiz und die steigenden Leerstandsziffern könnten im hiesigen Immobilienmarkt starke Preiskorrekturen auslösen. Wenn eine «sanfte Landung» nicht gelingen sollte, wäre die Binnenwirtschaft erheblich tangiert. Auch zusätzliche Regulierungen und insbesondere die Folgen der ungeklärten vertraglichen Beziehungen zur EU haben das Potenzial, das Wachstum der Schweizer Wirtschaft zu dämpfen. Ein konkretes Beispiel betrifft die Medizinaltechnik. Bei einer Ablehnung des institutionellen Rahmenabkommens wird die anstehende Bestimmungsänderungen zu den medizinaltechnischen Produkten in der EU nicht mehr im Rahmen des bilateralen Marktzugangsabkommens zu den technischen Handelshemmnissen erneuert. 14'000 Firmen vornehmlich KMU mit knapp 60'000 Angestellten und einem Exportvolumen von 11 Milliarden Franken sind davon direkt betroffen.

Weiterhin eine grosse Herausforderung für die Unternehmen bleibt die voranschreitende digitale Transformation. Schweizer KMU müssen sich der Digitalisierung stellen, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Diverse Umfragen zeigen, dass sie sich der Herausforderung durchaus bewusst sind und Digitalisierungsprojekte vorantreiben. Doch macht sich hier der Fachkräftemangel bemerkbar: Die Unternehmen bekunden vielfach Mühe, das nötige Fachpersonal zu finden, um die digitale Transformation in ihren Betrieben schneller voranzutreiben.

Kurzum: Nach einem weitgehend unbeschwerten Jahr müssen die Schweizer Unternehmen 2019 die volkswirtschaftlichen Risiken sehr ernst nehmen und sich auf allfällige Schwierigkeiten vorbereiten.