«Die Schweizer KMU sind sehr Weiterbildungs-affin»

Lisa Benz, Diplom-Volkswirtin und Leiterin Bereich Weiterbildung des Schweizerischen Instituts für Klein- und Mittelunternehmen an der Universität St.Gallen (KMU-HSG), über den besten Zeitpunkt für eine Weiterbildung, der Wahl des «richtigen» Angebots und der Notwendigkeit, Mitarbeitende zu fördern.

 

Lisa Benz, Leiterin Bereich Weiterbildung des Schweizerischen Instituts für Klein- und Mittelunternehmen an der Universität St.Gallen (KMU-HSG).

Lisa Benz, wie haben es die Schweizer KMU mit der Weiterbildung?

Die Schweizer KMU sind sehr Weiterbildungs-affin. In unseren Seminaren haben wir es vor allem mit unternehmerischen Persönlichkeiten aus dem Handwerk, dem gewerblichen und industriellen Bereich zu tun, die eine Fachausbildung mitbringen. Gerade hier ist der berufliche Weg über fachliche Weiterbildungen sowie weiterführende Abschlüsse selbstverständlich und hat eine lange Tradition. Eine Weiterbildung in Betriebswirtschaft beziehungsweise in der Unternehmensführung hat sich diesbezüglich als wichtiger Entwicklungsschritt für die eigene Berufskarriere etabliert.

Zeit- und Personalmangel sind häufige Hürden für eine Weiterbildung.

Das ist sicherlich richtig. Die Mitarbeitenden, aber auch die Unternehmerinnen und Unternehmer, stehen in KMU vielfach unter einem enormen Zeitdruck. Wir erleben allerdings oft, dass gerade dies der Auslöser und das wichtigste Argument für eine Weiterbildung ist: Wie kann ich mich besser organisieren, damit ich mehr Zeit für die wesentlich Aufgaben erhalte? Wie kann ich meine Stärken, meine Ressourcen noch besser einsetzen? Wie kann ich die Organisation meines Unternehmens verbessern, sodass es eben mehr Spielräume für die Weiterentwicklung gibt – sowohl die persönliche als auch die des Unternehmens? Dies alles sind Kernfragen der Führung, die wir in unseren Weiterbildungen beantworten. Zudem stellen attraktive Weiterbildungen natürlich eine wichtige Massnahme zur Weiterentwicklung und Bindung von guten Mitarbeitenden dar. Eine fundierte und frühzeitige Planung ist hier sehr hilfreich. Wir kommunizieren unseren Teilnehmenden sehr früh sämtliche Termine der einzelnen Programme, sodass sie sich darauf einstellen können. Und wir bieten eine individuelle Betreuung und hohe Flexibilität in der Gestaltung ihrer Weiterbildung.

Was müssen Arbeitgeber im Weiterbildungskontext wissen?

Das Angebot an Weiterbildungen ist unglaublich vielfältig und zum Teil auch unübersichtlich, daher ist die Auswahl der «richtigen» Weiterbildung sicherlich eine Herausforderung. Aus Arbeitgeber- beziehungsweise Unternehmenssicht sind das aus meiner Sicht zwei Dinge wichtig: Erstens einen Weiterbildungspartner auszuwählen, der zum Unternehmen und dessen Philosophie passt und die passenden Inhalte vermittelt. Und zweitens – das halte ich für noch wichtiger – eine klare Zielsetzung für die Mitarbeiterentwicklung zu definieren und die Mitarbeitenden dann konsequent in aufeinander abgestimmten Weiterbildungen auszubilden. Wir erleben zunehmend KMU, die alle Führungskräfte, die neu in eine Führungsfunktion kommen, mit unserem «KMU Führungskompetenz»-Seminar auf das Thema Mitarbeiterführung vorbereiten. Dies bietet den Unternehmen den Vorteil, dass sie einerseits eine grosse Sicherheit erhalten, wie und was inhaltlich vermittelt wird. Andererseits ermöglicht es den Absolventen aus diesem Seminar, unternehmensintern das Erlernte weiterzuentwickeln und sich darüber auszutauschen. Ich empfehle daher allen Arbeitgebern und Personalverantwortlichen, sich möglichst gut über unterschiedliche Programme zu informieren und sich umfassend beraten zu lassen.

«Attraktive Weiterbildungen stellen natürlich eine wichtige Massnahme zur Weiterentwicklung und Bindung von guten Mitarbeitenden dar.»

 

Und welche Informationen brauchen Arbeitnehmende?

Auf Arbeitnehmerseite spielt die Information und Prüfung unterschiedlicher Formate genauso eine sehr wichtige Rolle. Diesbezüglich ist vor allem entscheidend, welches Programm am besten passt: Was ist zeitlich möglich, was finanziell? Wie kann ich eine Weiterbildung am besten mit meinem Arbeitsalltag, aber auch mit meiner Familie vereinbaren? Ist mir ein bestimmter Abschluss wichtig, oder sind es eher die Inhalte oder Lernmethoden? In welcher Lernumgebung fühle ich mich wohl – denn neue Ideen brauchen Raum um zu entstehen. Wie setzt sich die Seminargruppe zusammen? Möchte ich lieber innerhalb meiner eigenen Branche bleiben, oder schätze ich gerade den Austausch mit Teilnehmenden aus anderen Bereichen? Ebenso hier empfehle ich jedem, sich möglichst umfassend persönlich zu informieren. Wir bieten Informationsabende, an den man unter anderem Absolventen kennen lernen kann, aber auch die Möglichkeit eines Sit-ins oder ein persönliches Beratungsgespräch.

Wann ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um sich weiterzubilden?

Die Frage könnte man auch umdrehen: Gibt es einen Zeitpunkt, an dem man keine Weiterbildung mehr braucht? Wir erleben so viele unterschiedliche Persönlichkeiten in allen beruflichen Entwicklungsstufen, die alle immer wieder sehr von einer Weiterbildung profitieren. Ein guter Zeitpunkt für eine Weiterbildung im Thema Führung und Unternehmensführung ist sicherlich dann, wenn eine berufliche Veränderung bevorsteht oder gerade vollzogen wurde. Dies kann eine neue Funktion sein, die Übernahme neuer Verantwortungsbereiche, aber auch die Vorbereitung eines Wechsels innerhalb der Organisation. Oder Wachstums- und Entwicklungsphasen des Unternehmens selbst können ein idealer Anlass sein. Wir haben zunehmend junge Unternehmensgründer in unseren Weiterbildungsprogrammen, deren Organisation schnell gewachsen ist und die sich plötzlich mit ganz neuen, unternehmerischen Fragestellungen konfrontiert sehen, die sie als Start-up nicht gekannt haben. Manchmal ist es einfach ein guter Zeitpunkt, weil man es persönlich gut einplanen kann, den Kopf frei hat oder die Kinder aus dem Haus sind.

Muss Weiterbildung zwingend in organisierten Kursen stattfinden?

Ja und nein. Es gibt mittlerweile viele Möglichkeiten, sich online neues Wissen anzueignen. Die entscheidende Frage ist allerdings, von welcher Art Weiterbildung oder Wissen wir sprechen: Technisches Wissen kann gut auch im Selbststudium erworben werden. Komplexes Wissen jedoch wie die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Unternehmung, mit deren Organisation, mit der Führung der Mitarbeitenden, mit den alltäglichen Problemen und mit der eigenen Führungsrolle braucht eine andere Qualität des Lernens und der Reflexion. Hierfür, davon sind wir fest überzeugt, braucht es den Austausch und das Gespräch mit Fachexperten und innerhalb der Seminargruppe, natürlich entsprechend methodisch begleitet und aufbereitet. Ein weiterer, wichtiger Vorteil eines organisierten Kurses ist, dass ich mir dann auch wirklich Zeit für die Weiterbildung nehme. Zuhause am Schreibtisch würde ich mich dann doch wieder dem Tagesgeschäft widmen. Und mir als Teilnehmender wird viel abgenommen: Ich muss nur hingehen, mitmachen, geniessen – alles andere ist bereits organisiert.

Wird der Bedarf an Weiterbildungsangeboten in Zukunft noch steigen?

Ja, das denke ich schon – und zwar genau aus den genannten Gründen: Erstens ist es für Unternehmen zunehmend wichtig, Mitarbeitende weiterzuentwickeln und somit auch im Unternehmen zu halten. Hier hat das gezielte Interesse dieser Unternehmen an Weiterbildungsformaten in den letzten Jahren deutlich zugenommen und wir sehen darüber hinaus immer mehr KMU, die eigene, unternehmensinterne Weiterbildungsangebote aufbauen. Zweitens, weil man bei komplexen Themen wie der Führung von Mitarbeitenden und Unternehmen eben nie ausgelernt hat. Die Ansprüche an die Führung verändern sich, beispielsweise durch die neue Generation. Es ist für uns immer wieder sehr bereichernd zu sehen, wie gerade sehr erfahrene, gut qualifizierte Führungspersönlichkeiten sich immer wieder dem Neuen stellen, ihre wichtigen Themen mit anderen diskutieren, sich selbst reflektieren. Aber auch junge Leute, die neu an diese Themen kommen, bietet eine Weiterbildung eine tolle Möglichkeit, um schnell Sicherheit zu gewinnen, Fragen zu stellen, etwas Neues auszuprobieren und von den Erfahrungen anderer zu lernen. Neben einer guten Berufsausbildung oder einem Studium ist die Weiterbildung hier in Zukunft sicherlich ein wichtiger Weg, um sich persönlich weiter zu entwickeln – nicht zuletzt, weil es sehr bereichernd ist, inspiriert zu werden und etwas Neues zu lernen.

Swiss Venture Club (SVC)

Mitglied werden und den «Prix SVC» live erleben

Der KMU-Verein Swiss Venture Club (SVC) stellt sich seit 18 Jahren in den Dienst kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU). Heute bietet er mit über 3‘000 Mitgliedern aus allen Branchen und Regionen eines der grössten und wichtigsten Netzwerke für Unternehmerinnen und Unternehmer der Schweiz. Dafür bringt er innovative Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Medien sowie Kultur zusammen und ermöglicht ihnen das Knüpfen wertvoller Kontakte. Darüber hinaus schafft der Swiss Venture Club mit der Verleihung des Unternehmerpreises «Prix SVC» öffentliche Aufmerksamkeit für die Erfolge einer Reihe von vermeintlichen «Hidden Champions». Mehr als 350 KMU wurden bis dato in sieben Wirtschaftsregionen in allen Landesteilen ausgezeichnet. Auf diese Art und Weise fördert der Preis das Unternehmertum und trägt so seinen Teil zu einer erfolgreichen Schweiz bei. Der nächste «Prix SVC Wirtschaftsraum Zürich» wird am 16. Januar 2020 im Hallenstadion verliehen.

Dieser Artikel wurde von NZZ Content Solutions im Auftrag von Swiss Venture Club (SVC) erstellt.


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