Neue Arbeitsplatzmodelle sind gefragt

Was viele Unternehmen bisher für unmöglich hielten, wurde durch die Corona-Krise bestätigt: Home-Office funktioniert in vielen Fällen sehr gut. Immer mehr Unternehmen erlauben ihren Mitarbeitenden deshalb auch nach Corona das Arbeiten von zu Hause. Das schafft wiederum Möglichkeiten für neue Arbeitsplatzmodelle.

Die Schlagzeile sorgte für Aufsehen: Novartis erlaubt Homeoffice – für immer. Wer nach dem Lockdown von zu Hause arbeiten will, darf dies tun. Mit dieser Massnahme ist der Pharmariese in guter Gesellschaft: Nur wenige Tage später vermeldet Reuters, dass grosse amerikanische Konzerne Home-Office beibehalten und Büroflächen verkleinern wollen. Die Nachrichtenagentur bezieht sich dabei auf die jüngsten Geschäftsberichte von mehr als 25 grossen US-Unternehmen.

Anhaltender Trend zum Home-Office

Laut dem Beratungsunternehmen Deloitte sei der Trend zu mehr Home-Office bereits vor der Pandemie sichtbar gewesen. Der Grund: Immer mehr Unternehmen würden auf flexible Arbeitsplatzmodelle setzen.

So stieg der Anteil der Beschäftigten, die hierzulande mindestens einen halben Tag pro Woche im Home-Office arbeiten, bereits zwischen 2013 und 2018 von 18 auf 24 Prozent. Das zeigen Zahlen vom Bundesamt für Statistik. Laut Deloitte dürfte die Kurve aufgrund der Corona-Krise einen noch steileren Verlauf nach oben nehmen.

Klare Regeln für Desk-Sharing

Bei den flexiblen Arbeitszeitmodellen setzen immer mehr Unternehmen auf das sogenannte Desk-Sharing. Die Idee dahinter: Da immer mehr Mitarbeitende ortsunabhängig arbeiten können, gibt es im Unternehmen keine fixen Arbeitsplätze mehr. Die Angestellten teilen sich die Schreibtische. Unternehmen können dadurch ungenutzte Bürofläche minimieren und so unnötige Kosten einsparen.

Damit aber das Desk-Sharing funktioniert, müssen Unternehmen gewährleisten, dass die Mitarbeitenden auf ihre Daten dezentral und elektronisch zugreifen können. Zudem müssen alle Schreibtische gleich ausgestattet sein und für die Mitarbeitende gilt eine Clean Desk Policy. Das heisst: Angestellte müssen die Arbeitsplätze immer so verlassen wie sie ihn zu Beginn vorgefunden haben.

Arbeitsplatz und Sitzungszimmer mieten

Für viele Angestellt kann das Home-Office aber auch zur Belastungsprobe werden – insbesondere dann, wenn zu Hause zum Beispiel kein entsprechender Raum zur Verfügung steht oder gleichzeitig noch Kinder betreut werden müssen. Anderen wiederum fehlt der Kontakt zu den Kollegen, die gewisse Konzentration oder die nötige Distanz zur Arbeit.

Vor diesem Hintergrund steigt die Nachfrage nach sogenannten Co-Working-Spaces. Dabei handelt es sich um eine Art Grossraumbüro, in dem Arbeitsplätze oder Sitzungsräume für kurze Zeit – teilweise auch nur für wenige Stunden – gemietet werden können.

Das Potenzial von regionalem Co-Working hat auch die Politik erkannt: Am 16. Juni 2020 reichten mehrere Nationalrätinnen und Nationalräte ein Postulat ein. Darin fordern sie den Bundesrat auf, eine Lösung zur Förderung von regionalem Co-Working zu prüfen. Bis 2030 sollen 100’000 regionale Arbeitsplätze entstehen und so wirtschaftlich, ökologisch und sozial einen Mehrwert bringen.

Aber auch Bundesbern nutzt bereits die Möglichkeit von Co-Working-Spaces. So können im Bundesamt für Informatik mehr als 1000 Mitarbeitende dort arbeiten, wo sie wollen

– zum Beispiel auch in einem Co-Working-Space. Der Vorteil: Nebst flexibleren Arbeitszeiten vergrössert sich dadurch auch das Einzugsgebiet möglicher Kandidaten bei Stellenausschreibungen, weil ortsunabhängig gearbeitet werden kann.

Positive Erkenntnisse

Der Corona-Krise zum Trotz – die Krise hat auch Gutes zu Tage geführt. So zeigt sich jetzt endlich, was im Home-Office funktioniert und was nicht. Zudem dürfte sich der Trend zu flexibleren Arbeitsplatzmodellen positiv auf die Gesellschaft auswirken, weil die Beschäftigten ortsunabhängiger werden und ihr Zeitmanagement selbst in die Hand nehmen können.

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