Der SMI schliesst mit einem Minus von 5,6% – Erdöl-Krise und Coronavirus sorgen für Kurssturz bei Aktien

Der Konflikt zwischen Saudiarabien und Russland über Produktionskürzungen bei der Erdölförderung sowie die anhaltende Coronavirus-Krise bringen die Börsen ins Taumeln. In New York wurde der Handel vorübergehend unterbrochen. Der SMI schloss mit einem Minus von 5,6%.

 

Die New Yorker Börse hat kurz nach dem Start mit einem Handelsstopp reagiert. – Richard Drew / AP

Die Panik um die Ausbreitung des Coronavirus und der eskalierte Machtkampf innerhalb der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) haben am Montag die Aktienbörsen weltweit in die Tiefe gerissen. Nach massiven Kursverlusten in Asien und Europa gaben auch die Kurse an der New Yorker Wall Street stark nach. Das Leitbarometer Dow Jones Industrial Average verlor zu Handelsbeginn 7,2%. Anschliessend wurde der Handel zunächst automatisch für 15 Minuten unterbrochen – eine Regelung, die dabei helfen soll, Panik an den Finanzmärkten zu vermeiden. Anschliessend wurde weitergehandelt und am Ende des Tages lag der Dow Jones mit einem Minus von 7,8% bei 23 851 Zählern. Die starken Verluste zeigen auch die Angst der Investoren vor dem Ausbruch einer Wirtschaftskrise.

Finanzwerte in der Schweiz besonders stark im Minus

Der Swiss-Market-Index (SMI) hatte sich am Montag mit einem Minus von 5,6% aus dem Handelsgeschehen verabschiedet. Das Schweizer Leitbarometer hatte den Handel direkt im tiefroten Bereich begonnen und sich vorübergehend sogar um bis zu 7% abgeschwächt. Sämtliche SMI-Werte schlossen deutlich tiefer als am Freitag. Besonders hart erwischte es die Finanzwerte. Die Titel der Grossbank Credit Suisse verbuchten  ein Minus von 12,9%, die der Wettbewerberin UBS ein solches von 10,4%. Die Aktien der defensiven Schwergewichte Nestlé (–3,1%) und Novartis (–4,1%) entwickelten sich am Montag im SMI noch am besten.

Die Korrektur geht weiter

indexierte Kursentwicklung in Franken

Der Leitindex der 50 grössten kotierten Unternehmen der Euro-Zone, der Euro-Stoxx-50, verbuchte am Montag einen Verlust von 8,5%. Der deutsche DAX lag mit 7,9% in negativem Terrain. Der italienische FTSE MIB gab bis Handelsschluss um mehr als 11% nach. Italien ist von der Coronavirus-Krise besonders stark betroffen und hat Mailand und die Lombardei sowie weitere Gebiete Norditaliens wegen der Epidemie abgeriegelt.

Die Aktienmärkte in Asien waren ebenfalls stark im Minus. Am schlimmsten traf es den Nikkei-225-Index, der am Montag um 5,1% einbrach und unter die 20 000-Punkte-Marke fiel. Der Shanghai Composite Index verkehrte um 3,4% unter dem Freitagsschluss. Der S&P/ASX 200 an der Börse Sydney lag zum Handelsschluss mit 7,3% im Minus.

Energiewerte an der Wall Street massiv unter Druck

Die Erdölpreise erlebten derweil ihren stärksten Einbruch seit dem Golfkrieg im Jahr 1991. Die Ursache hierfür ist ein Preiskrieg zwischen Russland und Saudi-Arabien, nachdem Verhandlungen zwischen der Opec und ihren Partnerländern ohne Ergebnisse geblieben waren. Am Sonntag gaben sie um mehr 30% nach. Der Preis für die April-Lieferung der Sorte West Texas Intermediate (WTI) notierte am Montagabend um rund 25% unter dem Stand vom Freitag bei $ 31.10. Der Richtwert in Europa, Brent, wurde am Montagabend bei $ 33.4 um gut 24% unter dem Freitagsschlusskurs gehandelt.

Auf dieser Basis überrascht kaum, dass die Aktien der Erdölunternehmen an der Wall Street massiv unter Druck standen. So verloren die Papiere von Diamondback Energy, Apache, Marathon Oil, Occidental, Schlumberger und andere allein am Montag bis zu 54% ihres Wertes, nachdem sie schon in den vergangenen Wochen schwach tendiert hatten. Die Aktien des Schwergewichts Exxon Mobile gaben um gut 12% nach.

Unbeliebte Energiewerte

Kursverluste in Prozent

Stark gesunkene Erdölpreise lassen die Einnahmen sinken und das bringt stellt einerseits die hohen Gewinnerwartungen der Anleger in Frage. Auf der anderen Seite sind viele der so genannten Fracking-Unternehmen hoch verschuldet. Folglich werden mit grosser Wahrscheinlichkeit die finanziellen Schwierigkeiten in diesem Bereich deutlich zunehmen. Skeptische Investmentstrategen argumentieren, die dramatische Entwicklungen am Erdölmarkt hätte kaum zu einem schlechteren Zeitpunkt für den amerikanischen Markt für hochverzinsliche Anleihen kommen können. Das Energiesegment leide schon eine Weile unter Liquiditätsmangel und nun drohe dieses Phänomen auch auf die Zinspapiere von Unternehmen aus anderen Branchen überzugreifen. Der Stress im Energiesektor erhöhe das gesamte Risikoprofil der Anlageklasse, insbesondere für passivere Fonds. Zögen die Anleger Geld ab, würden die Fondsgesellschaften gezwungen, Liquidität zu beschaffen, indem sie zunächst die leicht zu verkaufenden Papiere abstossen. Diese müssten nicht von Firmen aus dem Energiebereich kommen.

Suche nach sicheren Häfen

Die starke Nervosität an den Finanzmärkten bildete auch der Volatilitätsindex VIX ab. Der als «Angstbarometer» geltende Index sprang bis auf den Wert von 62 Punkten. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg ist dies der höchste Intraday-Wert seit Dezember 2008.

Die starken Kursverluste sorgten dafür, dass Investoren einmal mehr in Anlagen, die als sichere Häfen gelten, flüchteten. Der Franken stieg gegenüber dem Euro bis auf die Marke von Fr. 1.05435. Anschliessend notierte er wieder oberhalb der Marke von Fr. 1.06. Am Markt hiess es, die Schweizerische Nationalbank (SNB) dürfte wohl interveniert haben.

Turbulenzen gab es auch an den Zinsmärkten: Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsobligationen reduzierte sich um 0,26 Prozentpunkte auf 0,51%. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen fiel auf 0,9%, so dass die amerikanische Zinsstrukturkurve laut der Nachrichtenagentur Bloomberg zum ersten Mal in der Geschichte insgesamt unter 1% blieb.

Die Rendite der zehnjährigen Papiere deutscher Staatsanleihen tauchte bis Montagabend um 0,15 Prozentpunkte auf –0,86%. Zehnjährige Schweizer Staatsobligationen rentierten mit –1,03%, der Wert ging am Montag um weitere 0,13 Prozentpunkte zurück.

Die Renditen für zehnjährige italienische Staatsanleihen stiegen derweil um 0,35 Prozentpunkte auf 1,42%. Folglich übersprang der Abstand zu deutschen Staatsobligationen zum ersten Mal seit August vergangenen Jahres die Marke von 2 Prozentpunkten. Dies ist ebenfalls ein Zeichen für wachsende Nervosität unter den Investoren.

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