KMU-Übernahme: Erfolgsfaktoren bei der Finanzierung

Ein bestehendes Unternehmen kaufen anstatt ein eigenes neu gründen: Viele Chefinnen und Chefs haben sich aus guten Gründen für diesen Weg entschieden. Eine Hürde stellt dabei aber oftmals die Finanzierung dar. Bürgschaftsorganisationen können hierbei Unterstützung leisten. Am 1. Juli 2019 hat der Bund die Obergrenze für die verbürgte Summe auf 1 Million Schweizer Franken erhöht.

Die Zahl der KMU, die in der Schweiz zum Verkauf stehen, steigt unaufhörlich, was dadurch bedingt ist, dass eine ganze Generation von Unternehmenden, die Babyboomer, in Rente gehen wird. Für jemanden, der von einer eigenen Firma träumt, ist die Übernahme eines bestehenden Unternehmens eine interessante Lösung. 

“Die Marke, die Kunden und die Lieferanten sind da”, betont Sabine Premand Sperandio der Agentur AS LEGAL aus Lausanne, die Analysen und Rechtsberatung anbietet. “Die Rakete fliegt schon, ohne dass man selbst Energie in den Start investieren musste.” Die Zahlen der Stiftung KMU Next belegen auch, dass dieses Vorgehen weniger riskant ist, als wenn man bei null anfängt: Nach fünf Jahren beträgt die Überlebensrate der übernommenen Firmen 95%, bei neuen Unternehmen schaffen es dagegen nur 50%. 

Die Ausgangslage ist also recht verlockend und gerade deshalb ist die fundierte Prüfung des Übernahmeobjekts entscheidend. “Der erste Schritt besteht darin, dass man wissen muss, was man kauft”, sagt Sabine Premand Sperandio. Die Expertin rät, einen Spezialisten mit einer umfassenden Analyse des Unternehmens und seines Umfelds, einer sogenannten “Due Diligence”, zu beauftragen. Dabei werden alle Elemente berücksichtigt: finanzielle Situation, Personal, Reputation oder auch Auftragsbestand. 

Verschiedene Optionen bei der Finanzierung

Die Finanzierungsfrage muss sich die Übernahmeperson rasch stellen. “Man muss wissen, dass eine Übernahme heute ohne Eigenkapital nicht möglich ist”, betont Sabine Premand Sperandio. Die Höhe der benötigten Eigenmittel ist sehr unterschiedlich. Der Anteil kann bei 20% liegen, wenn beispielsweise die Auftragsbücher für mehrere Jahre gut gefüllt sind, aber auch auf 40% bis 50% ansteigen, wenn das Projekt mehr Risiken birgt. Und die Banken wollen einen Businessplan sehen und eine echte Vision für die Zukunft der Firma. 

Antoine Sarlandie, der Ende 2013 das Walliser Transportunternehmen Grept Frères übernommen hat, meint, dass es einer der schwierigsten Schritte ist, die Finanzpartner zu überzeugen. “Man muss in der Lage sein, das Projekt allein zu verteidigen, alle Unterlagen perfekt kennen und wissen, was sich hinter jeder Zahl verbirgt. Ich musste auf sehr detaillierte Fragen zu den Ergebnissen antworten. Selbst wenn ein Treuhänder während des gesamten Prozesses dabei ist, steht der Käufer bei den Banken an der Front.”

Es gibt verschiedene Optionen, mit denen die Finanzierung des Projekts gelingen kann: Nebst der Suche nach Investoren, privaten Darlehen oder einer zeitlich gestaffelten Übernahme, können auch Bürgschaftsorganisationen eine wichtige Rolle dabei spielen. Die vier vom Bund unterstützten Bürgschaftsorganisationen haben 2017 rund 80 Übernahmen von Unternehmen mitermöglicht. Seit dem 1. Juli 2019 darf der Betrag des verbürgten Bankkredits neu maximal CHF 1’000’000 betragen. Zuvor lag dieser bei CHF 500’000. Der Bund hat die Obergrenze zusammen mit der Inkraftsetzung der Revision des Gesetzes über die Finanzhilfen an Bürgschaftsorganisationen für KMU angehoben.

Die Kontaktaufnahme mit der zuständigen Bürgschaftsorganisation kann neu auch ganz einfach online via EasyGov.swiss erfolgen. Der offizielle Schweizer Online-Schalter für Unternehmen bietet darüber hinaus auch elektronische Behördendienstleistungen, die bei der Unternehmensübernahme von Nutzen sind, wie etwa Mutationen von Handelsregistereinträgen.

Jetzt via EasyGov.swiss Kontakt mit einer Bürgschaftsorganisation aufnehmen:

https://www.easygov.swiss/easygov/#/de/finanzierung

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