Sprachassistenten sind die neuen Orakel von Delphi

Mit den Sprachassistenten von Amazon, Google, Microsoft und Apple bekommen wir die Prophezeiung zurück – und zwar immer und überall. Dank künstlicher Intelligenz können wir den neuen Orakeln von Delphi jederzeit unsere Fragen stellen.

Dieser Artikel von Jörg Eugster ist im «topsoft Fachmagazin» erschienen (siehe Kasten).

Delphi war eine Stadt im antiken Griechenland, die vor allem für ihr Orakel, einer Weissagungsstätte, bekannt war. Das Orakel von Delphi gab zunächst nur einmal im Jahr Auskunft, am Geburtstag des Apollon, später jeweils am siebten Tag der Sommermonate. Im Winter legte es für drei Monate eine Pause ein.

Die Kultstätte von Delphi war die wichtigste der hellenischen Welt und bestand bis in die Spätantike. Der Ort galt lange Zeit sogar als Mittelpunkt der Welt. Das Orakel konnte Dinge voraussagen. Zum Beispiel prophezeite das Orakel von Delphi Laios, dem König von Theben, dass sein Sohn ihn dereinst töten und seine Frau heiraten werde. Sein Sohn hiess Ödipus.

Amazon, Google, Microsoft oder Apple

Mit den Sprachassistenten von Amazon, Google, Microsoft und Apple bekommen wir das Orakel von Delphi wieder zurück, und zwar immer und überall. Dank künstlicher Intelligenz (KI) können wir den neuen Orakeln jederzeit unsere Fragen stellen. Zwar können die Sprachassistenten nicht die Zukunft voraussagen wie das Orakel von Delphi, doch immerhin haben sie Zugriff auf das gesamte Wissen im Internet.

Mein bevorzugtes Orakel ist der Google Assistant. Früher war Google eine Suchmaschine, mit der wir mit einzelnen Suchbegriffen nach relevanten Informationen suchten. Google versteht seit einiger Zeit Sprache. Das heisst, man muss seine Suchbegriffe nicht mehr eintippen, sondern kann sie sprechen. Google ist heute weit mehr als eine Suchmaschine. Dank KI kann man seine Fragen wie damals dem Orakel in einer natürlichen Sprache stellen. Kürzlich wollte ich wissen, wie der CEO von Novartis heisst. Früher hätte man ins Suchfeld von Google «CEO Novartis» eingegeben. Heute sagt man «OK Google. Wie heisst der CEO von Novartis?» Googles Antwort erfolgt auditiv und visuell: «Der CEO von Novartis ist Vasant Narasimhan.» Manchmal erfolgt Googles Antwort wie früher in Form eines relevanten Links.

Der Sprachassistent von Amazon heisst offiziell Amazon Echo, doch nennen ihn alle Alexa. Alexa kann Programme ausführen. Diese werden bei Amazon Echo nicht Programm genannt, sondern Skill. In der Kategorie «Taxi & Mitfahrgelegenheiten» gibt es mehrere Anbieter, unter anderem Uber, bei denen man seine Fahrt bestellen kann. «Alexa, sage Uber, ich möchte eine Fahrt bestellen.» Dank einem geführten Dialog kann man so mit natürlicher Sprache sein Taxi reservieren. Natürlich kann Alexa dank vielen Skills viel mehr Aufgaben ausführen.

Noch weiter geht der Bot beziehungsweise Assistant von Google, Google Duplex. Dieser übernimmt schon bald selbständig Aufgaben wie einen Termin reservieren für den Reifenwechsel beim Automechaniker in der Garage, für den Besuch beim Coiffeur oder die Tischreservation im Restaurant. Dank KI weiss der Bot zum Beispiel, wann mein bevorzugter Termin und wer mein Friseur ist.

Sprechen Sie schon oder tippen Sie noch …

In Vorträgen demonstriere ich immer die KI mit einem Diktat in mein Smartphone. Dank dem Sprachassistenten von Google und KI funktioniert das unglaublich gut. Ich spreche dann immer mindestens doppelt so schnell, um zu zeigen, wie gut das geht. Erstaunlicherweise machen das noch recht wenig Leute, obwohl sie diese Funktion kennen. Bei meiner Frage antworten höchstens 10 Prozent, dass sie die Spracheingabe der Texteingabe vorziehen. Versuchen Sie es doch einmal. Für iPhone-User ist es Siri, die das auch schon ganz gut kann.

«Papa, wie heisst diese Blume?»

Als Elternteil kennen Sie diesen Satz bestimmt. Sie hören ihn dann, wenn Ihre Kinder am Wegrand eine Blume gesehen haben. Mir ging es früher oft so, dass ich dann keine Antwort auf diese Frage hatte. Damals, als meine Kinder noch klein waren, hatte ich dieses neue Orakel noch nicht dabei.

Dank der Bildsuchmaschine von Google, Google Lens, kann man sein Smartphone auf die besagte Blume halten und schon zeigt Google die mögliche Bezeichnung an. Google Lens kann aber noch viel mehr. Es kann einen Text scannen und übersetzen, zum Beispiel eine Speisekarte oder ein Plakat. Es kann neben Pflanzen auch Tiere identifizieren. Zudem kann man die Umgebung entdecken, indem man über Sehenswürdigkeiten mehr Informationen abrufen kann, etwa wann sie erbaut wurden oder wie die Öffnungszeiten sind. Mit Google Lens lassen sich QR- und Bar-Codes ganz schnell scannen und die passenden Infos dazu abrufen.

«Du, wie heisst dieses Lied?»

Diese Frage kennen Sie bestimmt auch. Man ist mit dem Auto unterwegs, das Radio läuft. Plötzlich hört man einen Song, zu dem uns aber der Titel oder Interpret nicht einfällt. Dank der App Shazam sind wir uns schon lange gewohnt, diese Information abzurufen. Mit dem Assistant von Google geht das heute noch schneller und bequemer: «Ok Google. Wie heisst dieses Lied?» Der Vorteil ist hier, dass man während der Autofahrt nicht am Smartphone hantieren muss, um die App aufzurufen, sondern einfach den Sprachassistenten fragen kann, genau wie das Orakel von Delphi.

Die Menschen damals in der Antike hätten sich die neuen Orakel, die wir heute dank KI zur Verfügung haben, vermutlich nicht in ihren kühnsten Träumen erahnen können. Wir aber vor dem Smartphone-Zeitalter auch nicht, dass das so wie heute einmal möglich sein wird. Heute haben wir es und es entwickelt sich rasch weiter und wird immer perfekter.

«topsoft Fachmagazin»

Die Quelle

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Der Autor

Jörg Eugster ist ein Onlinepionier der ersten Stunde. Der Schweizer engagiert er sich als begeisterter Botschafter der digitalen Zukunft. Anders als viele Bedenkenträger schürt der Digitalisierungsoptimist jedoch keine Furcht vor Robotern und künstlicher Intelligenz (KI). Stattdessen setzt er auf das riesige Potenzial der digitalen Revolution, deren Power er als Publizist und Vortragsredner in die Welt trägt.

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