Unternehmensnachfolge. Die Kunst des Loslassens

Nils Koerber, Unternehmer, Wirtschaftsmediator und Coach für Unternehmensnachfolge, über wärmende Feuer, Schritte in die Ungewissheit und Emotionen beim Verkauf eines Unternehmens

 

Sie sind der Autor des Buches: „Unternehmensnachfolge. Die Kunst des Loslassens“. Welche Idee steckt hinter diesem Buchprojekt?

Aus meiner eigenen Geschichte unseres Familienunternehmens und der langjährigen Expertise im Alltag der Beratung der Familienunternehmen, haben sich die betroffenen Übergeber in vielen Fällen als „Flaschenhals“ für eine erfolgreiche Übergabe oder einem Verkauf herausgestellt.

Die wiederkehrende Frage in fast allen Familienunternehmen ist: Wie kann ich als Inhaber loslassen und wann sollte ich es tun.

Dafür war es jetzt endlich mal die Zeit, das erste Buch darüber zu schreiben. Jenseits von Steuern, Rechtsfragen und wirtschaftlichen Themen.

Das Buch ist deshalb auch eine Art Ratgeber, Animateur und Aufklärer zugleich.

Welches persönliche Erlebnis hat Sie dabei besonders geprägt?

Meine Eltern waren beide Unternehmer und wir Kinder konnten leibhaftig erfahren, wie schwer das Loslassen von ihrem Lebenswerk fiel. Und dann hatte ich es selbst übernommen, gut 15 Jahre verantwortlich geführt und auch entschieden, es loszulassen. Beide Erfahrungen haben mich sehr geprägt und zugleich unterstützt, vor vielen Jahren die KERN-Gruppe als Spezialdienstleister für Unternehmensnachfolge zu gründen.

Preisfindung, ausreichende Qualifikationen, grosse Netzwerke usw. sind doch viel wichtiger bei einer Nachfolge als Emotionen!

Das denken häufig Unternehmer, aber auch Übernehmer von Firmen. Und wenn es dann um die wirkliche Ablösung geht, um Entscheidungen und Weggabelungen, dann spätestens kommt der emotionale Faktor in den Prozess. Und das Ego von uns Menschen spielt dabei auch eine trickreiche und machtvolle Rolle.

Selbst erlebt, witzig und sehr zutreffend

Wir verschicken 10 signierte Exemplare an die ersten zehn Rückmeldungen an: zuerich@kern-unternehmensnachfolge.com

Was empfehlen Sie einem Inhaber, der sich zurückziehen möchte?

Wenn er sich wirklich zurückziehen möchte, da gilt es zuerst, sich selbst wichtige Lebensfragen zu stellen. Eine der großen Fragen für ein leichteres Loslassen ist die Perspektive auf das, was dann im Leben folgen soll und darf. Worauf freue ich mich eigentlich? Was zieht mich an? Was wird mich für einen weiteren, großen Lebensabschnitt über viele Jahre nähren und mir Freude bereiten?

Ihr Wunsch an die zukünftigen Nachfolger?

Ich lade alle Nachfolger, Käufer, Investoren und Übernehmer von Unternehmen ein, sich immer wieder in einem Prozess mit dem Übergeber in dessen Schuhe zu stellen. Versuchen zu empfinden, was in diesem Prozess auf der anderen Seite geschieht. Und dann damit wertschätzend und empathisch umzugehen.

Das würde viele Generationswechsel und auch Verkaufsprozesse vermutlich erleichtern und sogar beschleunigen.

Warum sollen externe Berater einen solchen Prozess begleiten?

Weil nach Jahrzehnten der eigenen Verbundenheit mit meiner Firma die emotionale Betroffenheit einfach richtig stark ist.

Ein neutraler Berater kann da genau der richtige Sparringspartner und Begleiter sein. Denn er ist kein Bestandteil der emotionalen Verbindung. Und außerdem verfügt er bei diesem einmaligen, sehr komplexen Vorgang über ein Wissen, welches ein Übergeber, der es nur einmal in seinem Leben macht, schlichtweg in der Tiefe vermutlich nicht haben kann.

In einem Satz – Ihr Plädoyer für eine gelungene Nachfolge?

Oh weh, das ist knapp (lacht). Nachfolge gelingt, wenn es eine innere Freiheit zu dieser bedeutsamen Entscheidung gib und ausreichend Zeit eingeplant wird.

Nils Koerber ist Gründer und Geschäftsführer bei KERN Unternehmensnachfolge. Erfolgreicher

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