So gehen KMU mit Zuversicht ins neue Jahr

Firmen, welche gut vorbereitet sind und die digitalen Möglichkeiten zielgerichtet nutzen, können optimistisch ins 2021 starten.

 

Mehr denn je sind in der aktuellen Situation Ideen gefragt. Bild: Ronald Carreño/Pixabay

Die gegenwärtige Krise hat grosse Auswirkungen auf die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt. Und ein Ende ist bis auf Weiteres nicht in Sicht: «Die zweite Welle setzt Unternehmen noch stärker unter Druck als die erste», sagt Boris Blaser, Gründer des Treuhandunternehmens B&B Concept sowie Vorstandsmitglied von Treuhand Suisse Sektion Zürich.

Bei der ersten Welle hätten noch viele Unternehmer daran geglaubt, dass die Krise nur wenige Monate andauern würde und sich die Situation nach dem Lockdown wieder entspanne. «Viele haben deshalb zugewartet und Strategieanpassungen nur zögerlich umgesetzt», so Blaser. Umso klarer zeigt sich die Situation jetzt: «Es gibt keine Rückkehr zur Normalität. Die Unternehmen stehen vor einer neuen Realität», sagt er.

Unternehmen müssen umdenken

Blaser erhält derzeit viele Anfragen von Firmen bezüglich Prozessoptimierung oder Strategieanpassungen. Dabei rät er seinen Kunden aktiv zu handeln und bestehende Produkte oder Dienstleistungen kritisch zu hinterfragen. «Es braucht jetzt eine Vorwärtsstrategie», sagt Blaser.

In das selbe Horn stösst auch Pascal Bischof, Partner und diplomierte Steuerexperte bei der Expertinum AG. «Mehr denn je sind jetzt neue Ideen gefragt», sagt er. Dabei sei es wichtig, der Ideenfindung keine Grenzen zu setzten. «Vom Einsatz neuer Tools und Software bis hin zur Entdeckung neuer Werbekanäle – alles sollte in Betracht gezogen und diskutiert werden.»

Stellenabbau ist unvermeidbar

Allerdings würden auch Innovationen den Abbau von Stellen nicht vermeiden. «Der Strukturwandel wird die Konzentration auf dem Arbeitsmarkt beschleunigen», sagt Blaser. Das sei aber auch eine Chance: «Nach einiger Zeit würden in vielen Branchen wieder neue, andere Stelle geschaffen», ist er sich sicher.

Ebenso müssen sich Unternehmen bewusst sein, dass nicht jede Innovation gleich auf grosse Nachfrage stossen werden. Im Gegenteil: «Unternehmer müssen Geduld haben», sagt Pascal Bischof, Partner bei Expertinum AG. Umso wichtiger sei es deshalb, dass KMU ihre Liquidität schützen und somit das Fortbestehen des Unternehmens sichern. «Firmen sollten ihre Fixkosten gut durchleuchten», ergänzt er. Oftmals seien sich Unternehmer gar nicht bewusst, wofür sie alles im Monat Geld ausgeben. Zu denken ist beispielsweise an Abonnements oder Mitgliedschaften. «Das kann im Ernstfall zu finanziellen Engpässen führen», sagt Bischof. Ein guter Finanzplan sei deshalb unabdingbar.

Bischof rät auch mit Gläubigern das Gespräch zu suchen, wie etwa mit den Vermietern. «Vermieter sind sich der Situation ihrer Mieter teilweise nicht bewusst», sagt er. Im Gespräch würden sich aber viele kulant geben und auf einen Teil der Miete verzichten. Im Parlament ist zudem eine gesetzliche Vorgabe zum Mieterlass hängig.

Zahlungsfähigkeit sicherstellen

Laut Boris Blaser, Gründer des Treuhandunternehmens B&B Concept, lohne es sich für Unternehmer zudem notwendige Investitionen zu leasen oder zu mieten. «Das hilft die Liquidität zu schonen und gleichzeitig auf dem neusten Stand der Technik zu sein», sagt er. So können neben Fahrzeugen auch Maschinen, Liegenschaften, IT-Komponenten oder medizinische Geräte vielfach geleast werden.

Zusammen mit seinem Team hat Blaser eine ganze Massnahmen-Checkliste erstellt. Darin rät er unter anderem auch:

  • Ausgabeprioritäten überprüfen und Zahlungsfristen kontrollieren.
  • Unverzügliche Fakturierung von erbrachten Leistungen oder versandten Produkten.
  • Allgemein die Zahlungsziele für Kunden kürzen (z.B. von 30 auf 10 Tage).
  • Verminderung von Lagerbeständen. Rabatte und Spezialaktionen für Ladenhüter und periodische Güter, damit Liquidität fliesst.
  • Verkauf von nicht betriebsnotwendigen Vermögen (z.B. rumstehende Fahrzeuge / alte Maschinen etc.).

Vorbereitung für die Zeit danach

Sowohl für Blaser als auch Bischof ist klar: Je offener sich Unternehmer auf die neue Normalität einlassen und sich auf mögliche Szenarien vorbereiten, desto mehr können sie profitieren, Marktanteile sichern und gestärkt aus der Krise herauskommen.

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