Cloud Computing – ein Leitfaden

KMU können sich dafür entscheiden, ihre IT-Dienste und die Speicherung ihrer Daten auszulagern. Eine Übersicht über die Vorteile und Risiken dieser Praxis.

Der Schweizer Markt für IKT-Dienstleistungen wächst stetig und erreichte 2018 einen Wert von CHF 11,2 Milliarden, wie eine Studie von MSR Research ergab. Die Hälfte dieser Umsätze wird durch Outsourcing und Cloud-Dienste generiert. Diese Instrumente helfen Unternehmen jeder Grösse bei der Speicherung ihrer Daten. Bevor man sich für die „IT-Wolke“ entscheidet, sollte man jedoch acht wichtige Punkte berücksichtigen.

1. Cloud Computing verstehen
Die Lösungen des Cloud Computing machen es möglich, interne Informatik-Dienstleistungen ganz oder teilweise in eine externe „Daten-Wolke“ zu verschieben. Wie Marcel Graf, Professor mit Schwerpunkt Cloud Computing an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Kantons Waadt (HEIG-VD), erklärt, handelt es sich darum, „einen externen Dienstleister zum Beispiel mit der Verwaltung und Speicherung seiner Daten oder anderer IT-Dienstleistungen zu beauftragen. Zu diesem Zweck kann ein Unternehmen punktuell bei einem räumlich entfernten Data Center Remote-Infrastrukturen wie Server, Festplatten, Netze und andere Tools mieten.“

2. Die wichtigsten Eigenschaften
Neben der Speicherung, der Sicherung und der Wiederherstellung von Daten kann das Cloud Computing auch Anwendungen hosten, Software für die gemeinsame Nutzung nach Bedarf zur Verfügung stellen, oder die gemeinsame Arbeit an Projekten ermöglichen, indem man Informationen und Anwendungen teilt. Aus Sicht von Marcel Graf sind mehrere Eigenschaften für eine gute Funktionsweise der Cloud entscheidend:
„Die gemieteten IT-Ressourcen müssen unmittelbar und von jedem Gerät, das mit der Cloud verbunden ist, verfügbar sein, sei es ein Computer, ein Smartphone oder irgendein anderes Gerät.“

3. Bedürfnisse definieren
„Die Entscheidung für Cloud Computing ist Teil einer Unternehmensstrategie und muss dieser nützen“, meint Stella Gatziu Grivas, Professorin mit Schwerpunkt Digitalisierung an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). „Bevor es diese Wahl trifft, muss ein

Unternehmen seine Bedürfnisse und seine spezifische IT-Nutzung auflisten, um sie mit den Angeboten der Dienstleister abzugleichen.“ Bei der Vielzahl der bestehenden Lösungen hat nämlich jeder Kunde entsprechend seiner Tätigkeit eine spezifische Art und Weise, wie er die Cloud nutzt.

4. Vorteile zu schätzen wissen
Die Nutzung der Cloud ist häufig günstiger als das interne Management einer IT-Struktur. Es ist jedoch wichtig, die finanzielle Last der auszulagernden Dienste vorher im Budget zu beziffern. Outsourcing erlaubt es zudem, die benötigten IT-Ressourcen an die Bedürfnisse des Unternehmens und an deren Schwankungen anzupassen, ohne umfangreiche Investitionen zu tätigen. Und schliesslich werden die Sicherheit, die Konformität und die Vertraulichkeit der Daten sowie der reibungslose Ablauf der Dienstleistungen durch einen professionellen externen Dienstleister häufig besser gewährleistet als innerhalb eines KMU, das nicht über die notwendigen Ressourcen verfügt.

5. Risiken bewerten
Outsourcing kann auch einige Gefahren mit sich bringen. „Die Speicherung von Daten ausserhalb des eigenen IT-Systems sollte auf nicht sensible Elemente beschränkt werden. Es ist immer umsichtiger, die strategisch wichtigen Daten auf einem lokalen Server zu speichern“, sagt Marcel Graf, der ausserdem dazu rät, die Zuverlässigkeit des künftigen Dienstleisters überprüfen zu lassen, bevor man einen Vertrag unterzeichnet. Aus juristischer Sicht empfiehlt Sébastien Fanti, Rechtsanwalt in Sion, der sich auf neue Technologien spezialisiert hat, „den Vertrag immer von einem Juristen gegenlesen zu lassen und Problemen bei einem möglichen Ende des Cloud-Dienstes durch den Abschluss einer Versicherung gegen Betriebsunterbrechung vorzubeugen“

6. Den richtigen Anbieter auswählen
Zu Unrecht nehmen sich die CEOs von KMU selten die Zeit, einen Dienstleister, der ihnen die Türen zur Cloud öffnet, sorgfältig auszuwählen. Laut Marcel Graf ist es „für ein Unternehmen, das seine Umstellung auf die Cloud erfolgreich gestalten will, sehr wichtig, seinen Anbieter gut zu kennen und ihm zu vertrauen.“ Die Anbieter zu treffen und ihre Angebote zu analysieren, sind dabei unumgängliche Schritte. Die Entscheidung für einen Dienstleister, der mit Standard-Software arbeitet, oder eventuell für eine Strategie mit zwei Anbietern kann dafür sorgen, dass man bei einem Wechsel des Anbieters oder der Leistungen nicht zu sehr blockiert ist.

7. In der Schweiz bleiben oder das Ausland bevorzugen?
In der Schweiz streiten sich Dutzende von inländischen Firmen und Global Playern um den Markt für Datenspeicherung und IT-Outsourcing. „Wenn man eine amerikanische Firma wie Google, Amazon oder ähnliche beauftragt, hat die US-Regierung das Recht auf Einsicht in alles, was auf deren gesamten Servern gespeichert ist“, berichtet Marcel Graf. „Einige Schweizer Firmen sehen darin eine Möglichkeit der Datenspionage und bevorzugen daher lokale Anbieter.“

8. Das Outsourcing vorbereiten
Bereit für den Übergang in die Cloud? Dafür braucht es nichts weiter als ein Konto bei dem ausgewählten Dienstleister. Marcel Graf weiss: „Das dauert nur wenige Minuten. Der neue Kunde kann die virtuellen Dienste sofort nutzen und über den Speicherplatz verfügen.“ Aufgrund dieser Geschwindigkeit ist es essenziell, die IT-Abteilung und die Mitarbeitenden, die im Cloud-Modus arbeiten sollen, von Anfang an gut in den Prozess einzubinden.

Auf dem KMU Portal des SECO finden Sie weitere Informationen zur fachgerechten Einrichtung der IT-Infrastruktur.

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