«Innovationen wie die Digitalisierung sind Chefsache»

Nicht jedes Unternehmen ist gleich stark vom digitalen Wandel betroffen. Für IT-Experte Marcel Dobler ist klar: Die technologischen Herausforderungen erfordern gerade von den KMU eine Neuinterpretation der Firmenkultur.

 

Bild: Gerd Altmann auf Pixabay

Marcel Dobler, gemäss einer Umfrage der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ) gehören 85 Prozent der kleinen und mittelgrossen Schweizer Unternehmen der Gattung «digitale Dinosaurier» an, können also nur wenig bis gar nichts mit dem digitalen Wandel anfangen. Eine erschreckende Zahl, nicht?

Ich denke eher, es handelt sich dabei um eine Zahl, die mit äusserster Vorsicht zu geniessen ist. Man hat hier wohl alles über einen Kamm geschert und Äpfel mit Birnen verglichen.

Wie meinen Sie das?

Der lokal verankerte Malerbetrieb oder der kleine Coiffeursalon ist wahrscheinlich tatsächlich nicht in gleichem Masse digital affin, wie es ein grosses Logistikunternehmen mit internationaler Ausrichtung ist. Gleichzeitig stellt sich aber die Frage: Müssen der Maler und die Coiffeuse überhaupt digital affin sein – oder zumindest, in welchem Umfang?

Sagen Sie es uns!

Digitalisieren allein der Digitalisierung wegen macht überhaupt keinen Sinn. Die digitale Transformation muss letztendlich ganz klar Prozesse vereinfachen und mithelfen, Geld einzusparen. Zudem soll der Kundenvorteil im Vordergrund stehen, neue Absatzkanäle sollten erschlossen werden. Wenn eine Automatisierung oder Digitalisierung wenig Vorteile bringt, muss eine Investition ernsthaft hinterfragt werden.

Ist das jetzt nicht ein bisschen salopp formuliert?

Wissen Sie, der digitale Wandel spielt sich einerseits auf der technischen Ebene ab, andererseits aber auch in den Köpfen. Digitalisierung hat mit der Art und Weise zu tun, wie ein Unternehmen seine Kultur lebt. Hier ist mitunter eine Neuinterpretation der gelebten Werte angebracht. Und man kann es nicht genug sagen: Innovationen wie die Digitalisierung sind Chefsache. Wenn der Chef nicht gewillt ist, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen und die digitale Transformation als Teil der Geschäftsentwicklung zu sehen, dann wird das bestimmt nichts.

Und wenn er es doch tut?

Dann sollte er als Erstes zur Analyse schreiten und die einzelnen Geschäftsbereiche nach Optimierungspotenzialen durchleuchten und die Voraussetzung für Datenerhebungen schaffen, die eine datenbasierte Entscheidungsgrundlage zulassen: Auslagen, Einsparungsmöglichkeiten, Kundenverhalten etc. Erst wenn diese Hausaufgaben erledigt sind, geht es an die konkrete Umsetzung einer Digitalstrategie.

«Wenn eine Automatisierung oder Digitalisierung wenig Vorteile bringt, muss eine Investition ernsthaft hinterfragt werden.»

 

Bei diesem Punkt ist dann wohl manch ein KMU am Ende mit seinem Latein. Wer leistet Abhilfe?

Weil die Digitalisierung aktuell etwas ein Hype ist, gibt es genügend Berater und Dienstleister, die den KMU ihre Services und Lösungen verkaufen wollen. Das kann Vorteile haben, muss es zwangsläufig aber nicht. Ich rate deshalb jeder Unternehmerin und jedem Unternehmer, sich immer zuerst in seinem Netzwerk – wie zum Beispiel dem Swiss Venture Club (SVC) – umzuhören, wer mit wem oder wer mit welcher Lösung was für Erfahrungen gemacht hat. Welche Optimierung hatte den besten Nutzen?

Um dann in einem Zug ganze Geschäftsmodelle zu digitalisieren?

Die Implementierung von digitalen Prozessen ist immer auch mit Risiken verbunden. Gerade KMU tun deshalb gut daran, schritt- und stufenweise vorzugehen. Ebenso empfiehlt es sich, bestehende Lösungen nicht einfach von heute auf morgen über Bord zu werfen.

Wie sieht es in Bezug auf das Thema Sicherheit und die Ängste der Arbeitnehmer aus – ist die Sensibilität seitens der KMU diesbezüglich vorhanden?

Die Zahl der Schadensfälle zeigt, dass selbst Schweizer KMU nicht verschont bleiben von weltweiten Cyber-Attacken. Gleichzeitig ist das Bewusstsein um das Gefahrenpotenzial in den Geschäftsleitungen häufig nicht sonderlich ausgeprägt. Auch das Wissen um effiziente Gegenmassnahmen nicht. Hier hilft nur Aufklärung, Outsourcing der IT-Infrastruktur in die Cloud und beispielsweise das Tool Cybersecurity-Check.

Und was die Ängste der Angestellten angesichts des digitalen Wandels anbelangt?

Natürlich wird es Verschiebungen geben. Aber wenn wir die Geschichte unseres Landes anschauen, dann ist die Schweiz noch jedes Mal als Gewinnerin aus einer industriellen Revolution hervorgegangen, der Wohlstand innerhalb der Gesellschaft konnte also immer gesteigert werden. Da wir hierzulande über ein generell hohes Bildungsniveau verfügen, sehe ich den digitalen Wandel auch für die Arbeitnehmer eher als Chance denn als Gefahr. Allerdings kommen wir nicht darum herum, uns stetig weiterzubilden – ein Leben lang.

Marcel Dobler ist Vorstandsmitglied des Swiss Venture Club (SVC). Der 39-Jährige war Gründungsmitglied und von 2000 bis 2014 CEO von Digitec Galaxus. Heute ist er Unternehmer (Miteigentümer Franz Carl Weber) und sitzt für die FDP im Nationalrat.

Swiss Venture Club (SVC)

Mitglied werden und den «Prix SVC» live erleben

Der KMU-Verein Swiss Venture Club (SVC) stellt sich seit 18 Jahren in den Dienst kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU). Heute bietet er mit über 3‘000 Mitgliedern aus allen Branchen und Regionen eines der grössten und wichtigsten Netzwerke für Unternehmerinnen und Unternehmer der Schweiz. Dafür bringt er innovative Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Medien sowie Kultur zusammen und ermöglicht ihnen das Knüpfen wertvoller Kontakte. Darüber hinaus schafft der Swiss Venture Club mit der Verleihung des Unternehmerpreises «Prix SVC» öffentliche Aufmerksamkeit für die Erfolge einer Reihe von vermeintlichen «Hidden Champions». Mehr als 350 KMU wurden bis dato in sieben Wirtschaftsregionen in allen Landesteilen ausgezeichnet. Auf diese Art und Weise fördert der Preis das Unternehmertum und trägt so seinen Teil zu einer erfolgreichen Schweiz bei. Der nächste «Prix SVC Wirtschaftsraum Zürich» wird am 16. Januar 2020 im Hallenstadion verliehen.

Dieser Artikel wurde von NZZ Content Solutions im Auftrag von Swiss Venture Club (SVC) erstellt.


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