Ohne Vertrauen und Kompromissbereitschaft geht es nicht!

Auch in Zeiten ohne Coronavirus und mit Wirtschaftsaufschwung ist es eine grosse Herausforderung mit einem Start-Up erfolgreich zu sein. Trotzdem haben Lucky Bassi und Samuel Brun den Schritt gewagt und JobDone gegründet. Wie sie vorgegangen sind und was sie gelernt haben, erzählen Samuel und Lucky im Interview.

Lucky und Samuel weshalb habt ausgerechnet Ihr zusammen ein Start-Up gegründet?

Lucky: Samuel und ich kennen uns schon seit meiner Lehrzeit. Er war damals mein Berufsbildner und wir haben uns super verstanden. Auch nach meiner Lehre hatten wir ein äusserst gutes Verhältnis.

Samuel: Bei Lucky wusste ich schon als er noch ein Lernender war, dass er etwas drauf hat (lacht). Vielleicht muss ich etwas ausholen. Ich hatte ihm immer wieder Ideen für ein Start-Up vorgeschlagen. Oft haben wir sie beim Lunch oder beim Bier diskutiert. Bei JobDone hat Lucky dann endlich angebissen.

Wie muss man sich das denn vorstellen. Hattet Ihr schon eine klare Vorstellung was für ein Problem euer Produkt einmal lösen wird?

Samuel: Ursprünglich hatten wir eine andere Idee. Wir waren in einem Restaurant und mussten enorm lange auf die Bedienung warten. Wir dachten zuerst, vielleicht können wir etwas entwickeln, dass den Restaurants hilft die Wartezeiten der Gäste zu verkürzen. Bei Sondierungsgesprächen kam dann aber heraus, dass es bei vielen Betrieben schon an einem ganz anderen Ort mangelt. Die Planung der Schichten ist oft sehr mühsam, vieles läuft noch mit Papier. Das ist unpraktisch, weil sich Schichtpläne oft ändern, zum Beispiel wenn die Mitarbeitenden Schichten tauschen.

Lucky: Genau, wir wollen eigentlich diesen Prozess digitalisieren und vereinfachen. Der Planer kann alles online machen und die Mitarbeitenden bekommen alles direkt aufs Handy. Beide sehen dann wie viel die entsprechende Person gearbeitet hat. Aber es bringt noch weitere Vorteile. Schichten können einfach getauscht werden. Es gibt eine Chatfunktion über die man sich mit den Leuten, die die gleiche Schicht haben austauschen kann und noch viele weitere nette Features.

Das ist sehr interessant. Andererseits ist die Konkurrenz sicher auch gross. Schichtplanungssysteme gibt es ja viele?

Lucky: Das stimmt, da mussten wir schon abwägen, ob es sich lohnt. Aber es hat sich gezeigt, dass viele Tools einfach schon sehr alt sind. Ausserdem ist Schichtarbeit sehr weit verbreitet, es gibt also einen genug grossen Markt für mehrere Anbieter. Wir denken, dass wir gerade für KMU wirklich eine sehr gute Alternative bieten können, da unsere Stärke die Gestaltung von grossartigen User-Experiences ist.

Ein Start-Up zu gründen ist ein grosser Schritt. Wann wusstet Ihr, dass Ihr den Schritt jetzt wagen wollt?

Samuel: Das geht so vor sich hin. Man arbeitet zuerst in der Freizeit daran und rutscht halt immer weiter rein. Irgendwann wird es dann so viel, dass man sich entscheiden muss.

Lucky: Bei mir war es halt einfach eine Dreifachbelastung von Studium, altem Beruf und neuem Start-Up. Das wurde dann zu viel.

Eine wichtige Frage ist ja immer das liebe Geld. Wie seid ihr zu eurem Kapital gekommen?

Samuel: Normalerweise setzen die Leute auf die 3-F, Family, Friends and Fools. Wir wollten das bewusst nicht machen. Ein Start-Up zu gründen ist ein enormes Wagnis. Wir dachten uns, dass wir dann nicht auch noch die Beziehung zu Freunden und der Familien belasten wollen. Wenn man ein Start-Up gründet ist man auf ein stabiles Umfeld angewiesen. Deshalb wollten wir da kein Risiko eingehen.

Lucky: Man muss aber auch sehen, dass wir nur so vorgehen konnten, weil beide Geld auf der Seite hatten und wir bereit waren viel zu investieren. Geld von Extern zu erhalten ist sehr schwierig. Für Venture Capital waren wir zu klein und Business Angels sind in der Schweiz schwierig zu finden.

Wenn man so viel eigenes Geld investiert hat, macht es das ja nicht einfacher. Oft gibt es ja auch Streit. Wie war das bei euch so?

Lucky: Wir haben dauernd Streit (lacht). Nein, ich würde sagen in 70% der Situationen haben wir eine unterschiedliche Meinung.
Samuel: Es ist natürlich schon so, dass solche Drucksituationen das Potenzial haben zu eskalieren. Aber ich denke, dass wir beides Personen sind, welche Probleme schnell ansprechen. Zudem haben wir einen sehr respektvollen Umgang. Und oft fordern wir uns auch gegenseitig heraus.

Wie das?

Samuel: Oft kommt einer mit einer Idee und hat dann das Gefühl, dass sei jetzt perfekt. Und der andere denkt nochmals darüber nach und findet noch Schwachstellen. Und so diskutieren wir das dann aus. Wir diskutieren hart, aber rückblickend, und ich denke ich spreche hier für beide, kann man sagen, dass uns das stärker macht und wir so ein besseres Produkt auf den Markt bringen können.

Lucky: Da stimme ich vollkommen zu. Aber das geht halt nur wenn die Basis da ist, und das ist gegenseitiger Respekt und eine gute Partnerschaft.

Apropos Partnerschaft. Ich habe gehört, dass Ihr teilweise im Ausland programmieren lasst.

Lucky: Ja, in der Tat. Wir haben mit einem Team aus der Ukraine zusammengearbeitet und arbeiten jetzt mit einem Team aus Indien zusammen. Unsere ukrainischen Partner haben vor allem am Design mitgearbeitet. Unsere indischen Kollegen unterstützen uns primär im Coding.

Das bietet aber sicher grosse Herausforderungen, kulturell, aber auch von der Qualität.

Samuel: Ehrlich gesagt ging’s noch. Ich muss aber betonen, dass wir wirklich viel Zeit in die Auswahl dieser Firmen investiert haben. Wir haben 50 herausgesucht, die Liste dann auf 20 reduziert. Diese haben wir dann nochmals geprüft und anschliessend eine Shortlist von 10 Firmen erstellt. Die haben wir dann genau geprüft. Wir haben Referenzen eingeholt und sie mussten Testaufgaben lösen. Unsere ausländischen Partner haben auch schon für Schweizer Firmen gearbeitet.

Lucky: Wir sagen bewusst Partner. Uns war und ist es wichtig, dass wir eng mit diesen Firmen zusammenarbeiten. Wir waren mehrmals dort und haben auch täglich Videokonferenzen mit Ihnen. Und bezüglich Kommunikation: Wichtig ist halt einfach, dass man sich Zeit nimmt und das ganze erklärt. Wir schreiben detaillierte Listen und Prozesse, coden und designen auch selbst und dann geht’s gut. Klar gibt es immer wieder kleine Missverständnisse, aber wenn man sich Zeit nimmt, dann klappt das. Und auch qualitativ, da kann man echt nichts sagen.

Zum Schluss nun noch die Frage: Was könnt Ihr zukünftigen Start-Up-Gründern mitgeben?

Samuel: Da gibt es mehrere Punkte. Wir haben mit vielen anderen Gründern gesprochen. Es hat sich gezeigt, dass alle ähnliche Probleme haben. Etwas das sich wirklich ausgezahlt hat, ist die frühe Gründung einer Firma. So ist man rechtlich abgesichert und das hilft auch bei der Suche nach Geldgebern. Andererseits sollte man nicht zu früh nach Investoren suchen. Man muss schon fast ein fertiges Produkt haben. Generell ist das Fundraising sehr herausfordernd und zeitintensiv. Wir haben dort definitiv zu früh zu viele Ressourcen investiert. Ein Businessplan ist auch wichtig. Es muss nichts Grosses sein, aber man sollte sich schon Gedanken machen, wie man das Produkt monetarisieren kann.

Lucky: Zwei Punkte würde ich gerne noch anfügen. Erstens muss man sich bewusst sein, dass ein Start-Up gründen etwas Ernstes ist. Klar sollte es Spass machen, aber man investiert viel Zeit und Geld. Zweitens ist das Team enorm wichtig. Ohne Vertrauen und Kompromissbereitschaft geht es nicht, denn irgendwann kommt der Punkt, an dem man es wagen muss. Wenn man Personen findet, die mit ganzem Herzen dabei sind und bereit sind alles zugeben, dann hat man eine gute Ausgangslage.

 


Lucky und Samuel haben im Sommer 2018 JobDone gegründet. Mit Ihrem Unternehmen wollen Sie die Einsatzplanung von Unternehmen zu verbessern und somit dem Arbeitgeber, aber auch den Arbeitnehmern einen Mehrwert bieten. Die JobDone App ist frisch auf den Markt gekommen und kann während einem Monat kostenlos getestet werden.

 

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